In der Nacht und am Morgen wurden in mehreren russischen Regionen Luftangriffe registriert. Militärische Objekte und eine Ölraffinerie wurden getroffen — unter anderem in St. Petersburg und Kronstadt. Die lokalen Behörden bestätigten die Vorfälle, gaben aber keine Angaben zu Schäden.
Zeitlich fielen die Angriffe mit Putins erneuter Weigerung zusammen, direkte Gespräche mit Selenskyj zu führen. Der Kreml lehnte öffentlich jegliche Verhandlungsformate ohne vorherige Bedingungen ab, die Kyjiw als kapitulationsähnlich betrachtet. Der zeitliche Zusammenfall ist nicht zwangsläufig ein Kausalzusammenhang, schafft aber einen bestimmten Signalkontext.
Kronstadt ist kein zufälliges Ziel. Die Festungsinsel in der Bucht von Finnland ist Stützpunkt für einen Teil der Baltischen Flotte der Russischen Föderation. Anschläge auf Objekte dort — falls bestätigt — würden bedeuten, dass strategische Marineanlagen hunderte Kilometer vom Front entfernt erreicht werden können.
Angriffe auf Ölinfrastruktur haben eine eigene Logik: Jede außer Betrieb genommene Ölraffinerie ist Druck auf den Haushalt, der den Krieg finanziert. Nach Berechnungen von Analysten der Kyiver School of Economics verliert Russland durch solche Anschläge monatlich Hunderte Millionen Dollar potenzieller Exporteinnahmen.
Moskau minimiert traditionell Informationen über Konsequenzen: Offizielle Berichte sprechen von „abgeschossenen Drohnen" und „ohne Opfer". Eine unabhängige Verifizierung von russischer Seite ist faktisch unmöglich — Journalisten, die die Folgen von Angriffen dokumentieren, riskieren strafrechtliche Verfolgung.
Die offene Frage bleibt: Wenn Russland bereit ist, Anschläge auf Objekte im Umkreis von St. Petersburg zu tolerieren, seine Verhandlungsposition aber nicht ändert — was wird es dazu bringen, dies zu tun?