Kurz: ein diplomatischer Schritt statt eines öffentlichen Konflikts
Am 31. Dezember wurden die geschäftsführenden Chargés d’Affaires Indiens und Pakistans in der Ukraine beim Außenministerium der Ukraine einbestellt; ähnliche politisch-diplomatische Schritte wurden über die Botschaft der Ukraine in den VAE unternommen. Das ist keine theatralische Geste — es ist eine offizielle Form, den Widerspruch gegen diplomatische Erklärungen über den vermeintlichen „Angriff“ auf die Residenz des russischen Präsidenten zum Ausdruck zu bringen.
Was in Kiew gesagt wurde
Das Außenministerium wies auf den historischen Kontext hin: während Russland systematisch zivile Infrastruktur in der Ukraine angreift, müssen jegliche Vorwürfe gegen Kiew mit Argumenten untermauert werden und dürfen nicht als Propagandainstrument dienen. Von ukrainischer Seite wurden Erläuterungen verlangt und die Erwartung einer Unterstützung in der Verurteilung tatsächlicher Angriffe Russlands auf zivile Ziele geäußert.
"Wir hoffen, dass die Regierungschefs dieser Länder ihre tiefe Besorgnis über die tatsächlichen Angriffe Russlands auf zivile Objekte in der Ukraine zum Ausdruck bringen und Solidarität mit der Ukraine zeigen, gegen die Russland nunmehr im vierten Jahr eine ungerechtfertigte und unprovozierte Aggression führt"
— Außenministerium der Ukraine
Vorgeschichte und Fakten
Am 29. Dezember beschuldigte der russische Außenminister Sergej Lawrow die Ukraine, angeblich die Residenz Wladimir Putins angegriffen zu haben. Als Reaktion stellten die ukrainischen Behörden und Analysezentren die von Moskau vorgelegten Materialien in Frage: in Russland wurden Bruchstücke einer Drohne gezeigt, die als Beweis bezeichnet wurden, während das Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation in Kiew dieses Material als Manipulation einordnete.
"ein Fake"
— Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation
Was das für die Beziehungen zu Indien, Pakistan und den VAE bedeutet
Die Vorladung der Diplomaten ist ein Weg, die eigene Position schnell, öffentlich und zugleich formell zu vermitteln. Es ist ein Test dafür, ob die Partner bereit sind, geprüfte Fakten von den Informationsinjektionen Moskaus zu trennen. Für Kiew ist es wichtig, nicht nur die Vorwürfe zu entkräften, sondern von den Partnern ein klares Signal der Solidarität in Bezug auf Sicherheitsrisiken und den Schutz der Zivilbevölkerung zu erhalten.
Prognose
Ein solcher Schritt zeugt von einem systematischen Ansatz der Ukraine zur Informationsabwehr: Diplomatie wirkt hier als Instrument der Gegenpropaganda. Nun bleibt abzuwarten, wie die genannten Staaten reagieren — ob ihre öffentlichen Erklärungen in konkrete politische Schritte münden oder formale Stellungnahmen bleiben. Es geht um Sicherheit und Reputation, und die Antwort der Partner wird zeigen, wie weit die internationale Gemeinschaft bereit ist, russischen Informationsangriffen entgegenzutreten.