Was passiert ist
Nach Angaben der The New York Times wies der Vizepräsident der USA J. D. Vance seine Berater an, den Sondergesandten für die Ukraine und Russland, Kit Kellogg, „so weit wie möglich von den Russen fernzuhalten“. Die Recherche der NYT stützt sich auf Interviews mit rund 300 Beamten und Diplomaten und beschreibt interne Machtkämpfe im Weißen Haus um das Format der amerikanischen Stellungnahme zum Krieg in der Ukraine.
Kurz zu Kit Kellogg — warum er Besorgnis auslöste
Kellogg verfügt über eine lange Karriere in Geheimdiensten und beim Militär: In dem NYT-Beitrag wird besonders seine Erfahrung bei Spezialeinheiten und die Prägung seiner Ansichten in der Zeit des „Kalten Krieges“ hervorgehoben. Er selbst glaubte, dass ohne sorgfältige Kontrolle der Verhandlungen mit Russland die Folgen für die USA und Europa katastrophal sein könnten. Die Veröffentlichung erwähnt außerdem eine persönliche Geschichte über einen Vorfall im Jahr 2000, nach dem Kellogg einen Vergiftungsversuch vermutete — dies wird als Faktor seines Misstrauens gegenüber der russischen Führung dargestellt.
Gleichzeitig löste Kelloggs Ernennung nahezu sofort ideologische Gegenwehr aus: Einige dem Vance nahe Verbündete und externe Partner betrachteten ihn als Relikt des „Kalten Krieges“ und fürchteten, dass ein solcher Ansatz die Kämpfe eher verlängern als Friedensverhandlungen voranbringen würde. Laut NYT schränkte ein Teil der Administration Kelloggs Befugnisse ein und erlaubte ihm Kontakte zu Ukrainern und Europäern, jedoch nicht zu Russen.
„Kellogg kann mit Ukrainern und Europäern sprechen, aber haltet ihn so weit wie möglich von den Russen fern.“
— J. D. Vance, Vizepräsident der USA (laut The New York Times)
Warum das für die Ukraine wichtig ist
Diese Entscheidung ist nicht nur eine Personalgeschichte. Erstens zeigt sie, dass bei der Festlegung der US-Politik gegenüber Russland und der Ukraine interne politische Kräfteverhältnisse in Washington eine erhebliche Rolle spielen. Zweitens bedeutet die Einschränkung der Kontakte eines Sondergesandten, dass die Verhandlungsführung seitens der USA von anderen Personen geprägt wurde — in dem genannten Fall wurde der Ansprechpartner für Verhandlungen mit den Russen Steve Witkoff, ein dem Trump nahe stehender Vertrauter. Ein solcher Wechsel der Vermittler verändert Ton und Gewicht der Verhandlungen.
Für die ukrainische Seite hat das zwei praktische Folgen: das Risiko von Botschafts- und Positionsinkohärenz unter den Verbündeten (was die Einheit der Positionen schwächt) und die mögliche Verzögerung oder Neukalibrierung von Verhandlungsschemata. Reuters fügt hinzu, dass die Stelle des Sondergesandten vorläufig ist — um länger als ein Jahr im Amt zu bleiben, ist eine Bestätigung durch den Senat nötig — und nach Angaben der Agentur plant Kellogg, das Amt im Januar 2026 zu verlassen.
Was als Nächstes folgt — kurzer Ausblick
Vances Entscheidung deutet auf den Wunsch eines Teils der Administration hin, riskante direkte Kontakte mit dem Kreml über Persönlichkeiten mit sehr harten persönlichen Positionen zu vermeiden. Andererseits geben häufige Personalwechsel und interne Spannungen Moskau Anlass, die Signale Washingtons unterschiedlich zu interpretieren. Für die Ukraine bedeutet das: Strategische Interessen — Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und diplomatische Koordination — müssen unabhängig von Personalfragen Priorität haben.
In nächster Zeit gilt es, zwei Dinge zu beobachten: ob sich die interne Debatte in den USA in eine klare Politik (und nicht in eine Serie persönlicher Entscheidungen) verwandelt, und wie sich das auf das Tempo und das Format der internationalen Hilfe für die Ukraine auswirkt.
Quellen
Materialien der The New York Times (Recherche basierend auf ~300 Interviews) und Reuters (Bericht zu den Amtszeiten) wurden als Hauptquellen für diese Notiz verwendet.