Europa erwägt das Abfangen von Tankern der „Schattenflotte“: direkter Schlag gegen die Einnahmen des Kremls oder Risiko einer Eskalation?

Am Rande der Münchner Konferenz diskutierten zehn Länder Optionen zur Beschlagnahme von Schiffen, die mit der russischen „Schattenflotte“ verbunden sind. Das könnte die Einnahmen verringern, die den Krieg finanzieren, erfordert jedoch eine klare Koordination und eine sorgfältige Risikobewertung.

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Танкер (Фото: Anatoly Maltsev/EPA)

Hinter den Kulissen Münchens: das Schweigen, das große Folgen haben könnte

Bloomberg berichtete, dass Vertreter von zehn Ländern auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Möglichkeit der Beschlagnahme von Tankern erörterten, die mit der russischen „Schattenflotte“ in Verbindung stehen — eine Entscheidung, die direkt die Geldströme treffen würde, die den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Agenturquellen sprechen von einem Treffen im Format der Vereinigten Expeditionsstreitkräfte, bei dem das Thema von britischen Ministern und der militärischen Führung initiiert worden sei.

Was genau besprochen wurde

Bloomberg zufolge traf sich der Verteidigungsminister Großbritanniens John Gili mit Kollegen aus den baltischen und nordischen Staaten. An dem Gespräch nahm auch der Chef der britischen Streitkräfte Richard Naiton teil, der offenbar Handlungsoptionen präsentierte, darunter gemeinsame Operationen zum Abfangen von Schiffen. Eine solche Initiative wäre ein logischer Schritt im Rahmen des Drucks auf Moskau nach zahlreichen Sanktionsrunden.

Warum das für die Ukraine und die Leserschaft wichtig ist

Für die Ukraine ist das nicht nur eine taktische Operation — es ist ein Mechanismus zur Verringerung der Ressourcenbasis des Aggressors. Die „Schattenflotte“ umfasst etwa 1.500 Tanker; über 600 davon stehen bereits unter Sanktionen der EU, Großbritanniens und der USA. Einschränkungen der Fahrten oder das Abfangen solcher Schiffe verringern Einnahmen, die Kriegshandlungen finanzieren könnten, und zeigen zugleich, dass Partner bereit sind, von Sanktionen zu aktiveren Maßnahmen überzugehen.

Risiken und rechtliche Hürden

Allerdings ist die Entscheidung nicht frei von Mängeln: Das Eskalationsrisiko und rechtliche Fragen sind zentrale Argumente der Zurückhaltung. Der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur betonte ausdrücklich, dass vor einer Entscheidung zusätzliche Beratungen notwendig seien. Der estnische Außenminister Margus Tsahkna warnte vor Befürchtungen einer Eskalation.

"Vor einer Entscheidung wird eine zusätzliche Beratung erforderlich sein."

— Hanno Pevkur, Verteidigungsminister Estlands

"Es bestehen Befürchtungen hinsichtlich einer Eskalation, die in der Diskussion berücksichtigt werden sollten."

— Margus Tsahkna, Außenminister Estlands

Präzedenzfall — Operation Bella 1

Im Gespräch steht ein US‑Präzedenzfall: Am 7. Januar 2026 beschlagnahmte die US‑Armee den Tanker Bella 1. Nach Angaben, die der Operation nahestehen, waren russische Kriegsschiffe in der Nähe. Großbritannien habe laut dem britischen Verteidigungsminister ebenfalls bei dieser Operation geholfen. Das liefert operative Erfahrungen und technische Lösungen, zeigt aber zugleich: Solche Maßnahmen können nur bei enger Koordination und politischer Zustimmung der Verbündeten erfolgen.

Wie es weitergeht: Szenarien und Fazit

Analysten sehen mehrere mögliche Szenarien: von sorgfältig geplanten, begrenzten Abfangaktionen im Rahmen einer Koalition bis hin zu vertagten Entscheidungen wegen rechtlicher und politischer Barrieren. Das Entscheidende ist, ob die Verbündeten politische Rhetorik in juristisch fundierte und operativ koordinierte Maßnahmen verwandeln können.

Für die Leserschaft ist das eine Frage von Sicherheit und Ökonomie: Weniger Einnahmen für den Kreml bedeuten weniger Ressourcen für den Krieg; zugleich muss jede Operation das Eskalationsrisiko, die Rechte auf See und eine mögliche Reaktion Russlands berücksichtigen. Nun sind die Verbündeten am Zug: Reicht der politische Wille und die rechtliche Vorbereitung aus, damit Abfangaktionen nicht Einzelfälle bleiben, sondern zu einem wirksamen Druckmittel werden?

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