Selenskyj schrieb an Putin: Treffen ohne Moskau, Waffenstillstand ohne Garantien

Am 4. Juni veröffentlichte Selenskyj einen offenen Brief mit einem Vorschlag für ein persönliches Treffen — weder in Moskau noch in Kiew. Der Kremlin nahm Kenntnis davon, gab aber keine inhaltliche Antwort.

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Володимир Зеленський (Фото: ОП)

Am Abend des 4. Juni veröffentlichte der ukrainische Präsident Wolodymyr Zelenskyj ein offenes Schreiben an Putin — die erste direkte öffentliche Ansprache dieses Formats in fast fünf Jahren vollständigen Krieges. Das Schreiben erschien zwei Tage nachdem Kreml-Sprecher Peskow erklärte, dass Russland „den Krieg noch heute beenden" könnte, wenn die Ukraine ihre Truppen aus dem Donbas abziehen würde.

Was im Brief steht

Zelenskyj bot Putin ein persönliches Treffen in einem neutralen Land an — in der Schweiz, der Türkei oder einem Staat der arabischen Welt. Er erklärte auch die Bereitschaft der Ukraine zu einer vollständigen Waffenruhe während der Verhandlungen und zum Austausch von Kriegsgefangenen nach dem Prinzip „alle für alle".

„Die Ukraine schlägt vor, diesen Krieg zu beenden. Das muss ehrlich, würdevoll geschehen und garantieren, dass es keinen neuen Kriegsausbruch gibt".

— Wolodymyr Zelenskyj, offenes Schreiben an Putin, 4. Juni 2025

Ein separater Abschnitt des Briefes befasst sich mit Geheimdienstinformationen. Zelenskyj zufolge verfügt der ukrainische Geheimdienst über Informationen, wonach der Kreml bereits Pläne für die Fortsetzung des Krieges 2027–2028 erwägt, plant, Weißrussland tiefer einzubeziehen und „spielt ein Spiel mit Transnistrien".

Die Struktur des Vorschlags ist zweistufig: zunächst im bilateralen Format Kiew–Moskau, dann unter Beteiligung der USA und europäischer Länder als potenzielle Garantiestaaten der Vereinbarungen.

Was im Brief fehlt

Das Schreiben enthält keinen Verifikationsmechanismus für die Waffenruhe, legt nicht fest, wer und wie die Einhaltung des Waffenstillstands überwachen wird, und definiert nicht, was genau bei dem Treffen erörtert werden soll. Es ist ein Vorschlag zum Treffen — nicht der Entwurf einer Vereinbarung.

Reaktion der Parteien

Der Chef des ukrainischen Außenministeriums Andrij Sybiga teilte mit, dass das Schreiben durch diplomatische Kanäle offiziell übermittelt wurde und Kiew eine „substanzielle Antwort" erwartet. Kremlin-Sprecher Dmitrij Peskow erklärte nur, dass man das Schreiben kenntnisgenommen habe und „Putin später darüber berichtet werden wird" — ohne jegliche inhaltliche Bewertung.

Parallel deutete Putin bei einer Pressekonferenz an, dass er sich nicht gegen ein Treffen sperrt, aber als Ort ausschließlich Moskau nennt. „Lass den kommen, der den Vorschlag macht", zitiert Reuters Putins Worte. Für Zelenskyj, dessen Legitimität der Kreml offiziell nicht anerkennt, ist eine Reise nach Moskau keine diplomatische Option, sondern Kapitulation im symbolischen Sinne.

  • Kiew schlägt vor: neutrales Land, Waffenruhe während der Verhandlungen, „alle für alle", internationale Garantien in der zweiten Phase
  • Moskau antwortet: nur Moskau, ohne vorherige Bedingungen, Zelenskyj „bat selbst um ein Treffen"
  • Ausführungsmechanismus: von keiner Seite vorgesehen

Kontext: Warum gerade jetzt

Das Schreiben erschien vor dem Hintergrund mehrerer paralleler Prozesse: des Drucks Washingtons auf beide Seiten bezüglich Verhandlungen, massiver Anschläge der Russischen Föderation auf die Zivilinfrastruktur in den ersten Junitagen und Treffen Zelenskyjs mit den Führern Frankreichs, Großbritanniens und Polens in Kiew. Das offene Format des Schreibens ist nicht nur an Putin adressiert — es ist an die Verbündeten und die Weltöffentlichkeit adressiert: Kiew hielt öffentlich fest, dass die Friedensinitiative bei der Ukraine liegt.

Die Frage bleibt konkret: Wenn Moskau mit einer Ablehnung antwortet oder erneut „kommt nach Moskau" — wird Kiew einen nächsten Schritt haben oder wird das Schreiben die diplomatischen Ressourcen dieser Runde aufgebraucht haben?

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Politik

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