Kurz
Bei einem Treffen mit Journalisten schloss Wolodymyr Selenskyj eine Initiative zur Mobilisierung von Abgeordneten nicht aus, die ihr Mandat niederlegen oder sich weigern, während des Kriegsrechts im Parlament zu arbeiten. Quelle — Korrespondentin von LIGA.net.
Was der Präsident genau sagte
Nach Angaben Selenskyjs gab es in den ersten Tagen des groß angelegten Überfalls und danach Abgeordnete, die ihren Mandat abgeben wollten. Der Präsident stellte die Wahl so dar: Entweder die repräsentativen Pflichten im Parlament erfüllen, oder dem Staat an der Front dienen. Als dritte Möglichkeit nannte er eine Gesetzesänderung und Neuwahlen — betonte aber gleichzeitig, dass Wahlen während des Krieges nicht möglich sind.
„Und deshalb werden die Abgeordneten entweder im Parlament gemäß ukrainischem Recht dienen müssen, oder ich bin bereit, mit Vertretern des Parlaments über ein Gesetz zur Änderung der Mobilisierung zu sprechen, damit Abgeordnete an die Front gehen können. Wenn du dem Staat nicht im Parlament dienst, dann dien dem Staat an der Front“
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Warum das wichtig ist: Geld, Gesetze, Sicherheit
Das Interesse der Leserschaft liegt hier weniger in der Rhetorik als in den Folgen. Das Parlament verabschiedet derzeit Gesetze, von denen Tranchen internationaler Partner und der Prozess der Eurointegration abhängen: von fiskalischen Bedingungen für den IWF bis zur Freigabe von Finanzpaketen. Selenskyj brachte das Problem direkt damit in Verbindung, dass wegen fehlender Stimmen selbst bei technischen Gesetzentwürfen Kompromisse gesucht werden müssen.
Zur Bestätigung des Ausmaßes des Problems: Am 14. März 2026 erklärte der Abgeordnete Jurchenko, dass 50–60 Abgeordnete ihr Mandat niederlegen wollen. Zuvor hatte der Leiter der Speziellen Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP), Klimenko, angemerkt, dass gegen etwa jeden zehnten Abgeordneten ein Verdacht seitens des NABU (Nationales Antikorruptionsbüro) besteht. Diese Daten erhöhen den Druck auf den Quorum und die Qualität der Abstimmungen.
Welche rechtlichen Optionen auf dem Tisch liegen
Derzeit gibt es faktisch drei Optionen, die das Präsidialamt nennt: 1) der Plenarsaal arbeitet im gewohnten Modus und die Abgeordneten erfüllen ihre Aufgaben; 2) Verabschiedung von Änderungen der Gesetzgebung, die die Mobilisierung von Abgeordneten ermöglichen würden, die sich weigern zu arbeiten; 3) Durchführung von Wahlen — jedoch erst nach Ende des Kriegsrechts. Jeder Weg hat rechtliche und politische Folgen: Mobilisierung würde Verfahrensänderungen bedeuten, Wahlen bergen das Risiko von Zersplitterung und logistischen Problemen während eines bewaffneten Konflikts.
Stellungen der Kräfte und Risiken
Der Präsident rief zum Dialog mit der Führung der Regierungsmehrheit auf, um „sich zu sammeln und für sich eine Entscheidung zu treffen“. In der Praxis bedeutet das politische Verhandlungen über Pflichten und Rotation, aber auch eine potenzielle rechtliche Regelung, die Gegenstand verfassungsrechtlicher Diskussionen werden könnte.
Was das für das Land bedeutet
Kurz: Es geht nicht nur um Personalfragen im Plenarsaal, sondern um die Fähigkeit des Staates, rechtzeitig Entscheidungen zu treffen, von denen die finanzielle Stabilität und die Verteidigungsfähigkeit abhängen. Kann das Parlament seine Funktionen nicht erfüllen, werden Partner Garantien verlangen, dass Schlüsselgesetze beschlossen werden — und das verstärkt die Logik administrativer oder gesetzgeberischer Maßnahmen hinsichtlich der Beteiligung von Abgeordneten an der Landesverteidigung.
Fazit
Die präsidiale Idee ist ein Signal: Das Problem der Funktionsfähigkeit des Parlaments ist in die Sphäre der nationalen Sicherheit und des internationalen Vertrauens vorgedrungen. Nun sind die Parlamentarier und Juristen am Zug: Finden sie Mechanismen, die die Legitimität der Institution bewahren und die nötigen Stimmen für Entscheidungen sichern, von denen die finanzielle Hilfe und die Verteidigungsfähigkeit des Landes abhängen?