Am Freitag, dem 25. September, wird die ukrainische Nationalmannschaft in Budapest gegen Ungarn antreten – dies ist das offizielle Debüt von Andrea Malderie als Cheftrainer und der Startschuss für einen neuen Zyklus der Nations League. Die Buchmacher sehen die Gastgeber als Favoriten: Ein Sieg Ungarns wird mit einem Koeffizient von 2,25 bewertet, ein Sieg der Ukraine mit 3,25. Doch interessanter als die Quoten ist die Frage, wen der Italiener überhaupt zu diesem Spiel eingeladen hat.
Fünf aus „Dynamo", keiner aus „Karpaty"
In der Pressekonferenz wurde Malderie direkt gefragt: Warum steht kein einziger Spieler von „Karpaty" auf der Liste, die derzeit in der UPL dritte Platz belegen, aber fünf Fußballer von „Dynamo", das die europäischen Ausscheidungen und den Meisterschaftsstart verkorkst hat? Der Trainer antwortete kurz: Er wählt Spieler unabhängig von ihrer Klubzugehörigkeit aus und orientiert sich an ihren fußballerischen Qualitäten und daran, wie der Spieler in sein System passt.
„Ich wähle Spieler unabhängig davon, für welchen Klub sie spielen. Für mich sind ihre fußballerischen Qualitäten, ihre Fähigkeiten und die Frage wichtig, wie ich sie in meinem System einsetzen kann", sagte Malderie.
Formal ist die Antwort logisch, doch die Fakten sprechen dagegen. Der Stürmer von „Karpaty" Nazarij Rusyn hat drei Tore in der UPL nach seiner Rückkehr in die Ukraine erzielt, Flügelspieler Jan Kostenko erzielte zwei Tore in vier Spielen. Beide Statistiken sind nicht schlechter als die mancher eingeladenen Spieler. Die Frage, warum die „Löwen" ignoriert werden, bleibt offen – und es geht dabei nicht mehr um Taktik, sondern um die Prinzipien der Kaderkomposition.
Sechs Stürmer – und kein offensichtlicher Angriffsleitender
Ein weiteres Signal: Malderie hat sechs reine Stürmer und fünf Flügelspieler eingeladen – zu viel für eine Position, wenn es keinen klaren Plan gibt, wer der Stammstürmer sein soll. Die beste UPL-Statistik unter den eingeladenen Spielern haben Matwij Ponomarenko und Igor Krasnopir – vier Tore pro Spieler. Danilo Sikan hat in Anderlecht 6 Tore in 14 Spielen und 5 weitere in der Qualifikation der Europa League erzielt – seine Form ist eindeutig die beste von allen. Aber der Trainer hat nicht verraten, wer genau im Szczytnowski-Stadion in der Startelf stehen wird.
Ein separates Kapitel ist Andrej Jarmolenko. Mit 36 Jahren hat er eine Einladung erhalten und hat die Chance auf 20-30 Minuten, die ihm einen Rekord bescheren könnten: Derzeit hat er 47 Tore für die Nationalmannschaft, Andrej Schewtschenko hat 48. Die Logik der Einladung ist verständlich – Form und die Rolle eines Anführers in der Kabine. Aber dies bedeutet auch, dass ein Platz im Angriff einem Spieler weggenommen wird, der sicherlich nicht auf die Rolle eines Stammstürmers über längere Zeit beansprucht.
Lücke in der defensiven Mittelfeld-Zone
Im Kader gibt es keinen reinen defensiven Mittelfeldspieler. Ivan Kaljuzhnij vom FC Charkow wurde nicht berücksichtigt, und Jehor Jarmoljuk vom FC Brentford hat wegen eines Beinproblems abgelehnt – laut Malderie ist dies eine chronische Entzündung, und der medizinische Stab des Clubs hofft, den Spieler bis November fit zu bekommen.
„Er hat ein chronisches Beinproblem. Es tut ihm sehr leid, er möchte sehr für die Nationalmannschaft spielen. Wir hoffen, dass er im November Teil unseres Teams ist", erklärte Malderie.
Doch nur wenige Tage nach dieser Aussage spielte Jarmoljuk 70 Minuten für Brentford gegen Chelsea in der Premier League – ein Vollspiel für einen Spieler, der angeblich nicht 100% fit sein soll. Dies ist entweder eine Frage des Vertrauens zwischen Trainer und Fußballer oder eine sehr seltsame Kommunikation. Höchstwahrscheinlich wird die Rolle des defensiven Mittelfeldspielers Wladimir Brajko von Dynamo oder Jehor Nazarin vom Donezk Shakhtar zufallen – keiner von ihnen ist ein klassischer „Putzer" vor der Abwehr.
Ein rechter Außenverteidiger für den ganzen Turniername
Ein weiteres Detail, das man leicht übersehen kann: Malderie hat nur einen rechten Außenverteidiger eingeladen – Illa Krupskij vom FC Charkow, einen Spieler, den der vorherige Trainerstab komplett ignoriert hat. Dafür stehen drei linke Außenverteidiger auf der Liste. Falls es mit Krupskij zu einer Verletzung kommt, muss der Trainer improvisieren – höchstwahrscheinlich, indem er den linksfüßigen Bogdan Michajlienko auf die rechte Flanke verschiebt, wo er von Zeit zu Zeit in einer hybriden Rolle spielt.
Zusammen ergeben all diese Entscheidungen das Bild eines Trainers, der sein eigenes Verständnis der Mannschaft noch formt, anstatt nach einem vorgefertigten Schema zu arbeiten. Das Debüt gegen Ungarn wird zeigen, ob dies durchdachte Experimente sind oder ein Zeichen dafür, dass der Plan für den Turnier noch nicht vollständig fertiggestellt ist. Falls die Ukraine in den ersten beiden Spielen der Liga B keine Punkte sammelt, wird die Frage nach den Prinzipien der Spielerauswahl noch dringlicher.