Am 26. Juni veröffentlichte Oleksandr Usyk eine Videobotschaft auf Instagram und kündigte an, dass er alle drei Gürtel – WBC, WBA und IBF im Schwergewicht – aufgibt. Der Grund ist weder eine Verletzung noch das Karriereende: Der Ukrainer möchte den Anwärtern, die in der Warteschlange stehen, endlich die Möglichkeit geben, gegeneinander zu kämpfen. Seinen letzten Kampf, „Last Dance", behält er sich selbst vor.
Kabajew wartete – und wurde belohnt
Der WBC-Interimschampion, der kurdisch-deutsche Boxer Agit Kabajew (27-0, 19 K.o.), reagierte zurückhaltend, aber aussagekräftig.
«Nichts als Respekt vor dieser unglaublichen Karriere»
Agit Kabajew – Instagram Stories
In einem separaten Beitrag fügte er hinzu, dass einen echten Champion sowohl seine Taten im Ring als auch außerhalb des Rings definieren – und dass er bereit ist, die Fackel zu übernehmen.
Für Kabajew ist dies mehr als nur ein Kompliment an Usyk. Seit Februar 2025 ist er WBC-Interimschampion nach einem Knockout gegen den Chinesen Zhora Zhang. Die WBC hatte Usyk bereits vor dessen Verzicht auf die Gürtel verpflichtet, einen Pflichtverteidiger-Kampf gegen genau Kabajew zu bestreiten – und setzte eine Frist bis zum 30. Juni für Verhandlungen zwischen den Teams.
Was nun mit dem WBC-Gürtel?
Nach der Aufgabe der Titel bewegt sich die WBC erwartungsgemäß in Richtung Kabajew als amtierender Interimschampion. Laut heavyweightboxing.com geht der WBC-Gürtel an ihn, während IBF und WBA ihre eigenen Auswahlverfahren zur Bestimmung neuer Champions starten.
WBC-Präsident Mauricio Sulaiman formulierte die Position des Rates zuvor unmissverständlich: Usyks freiwilliger Kampf gegen den Kickboxer Rico Verhoeven in Ägypten (23. Mai, Sieg durch technisches K.o. in der 11. Runde) – erledigt, nächster – Pflichtkampf mit Kabajew.
- Usyk – 25 Siege, 0 Niederlagen; gab Gürtel ab, behält Status als aktiver Boxer
- Kabajew – 27 Siege, 0 Niederlagen; WBC-Interimschampion seit Februar 2025
- WBC – setzte Frist bis 30. Juni für Verhandlungen bereits vor Usyks Verzicht
Eine respektvolle Geste mit praktischem Hintergrund
Kabajews Reaktion ist diplomatisch, aber nicht uneigennützig: Er ist der einzige Anwärter, der eine rechtlich verankerte Position als Pflichtgegner hatte. Usyks Verzicht auf den Kampf durch Aufgabe der Gürtel – das ist keine Niederlage für Kabajew. Das ist ein kürzerer Weg zum vollständigen Titel, ohne den besten Schwergewichtler dieser Generation besiegen zu müssen.
Usyk hingegen behält sich selbst „Last Dance" – einen Kampf ohne Titelverteidigung – vor, bei dem er sich seinen Gegner und die Bedingungen selbst aussuchen kann.
Wenn Kabajew den vollständigen WBC-Gürtel ohne Kampf gegen Usyk erhält und „Last Dance" gegen einen anderen Gegner stattfindet – wird die Boxwelt den neuen WBC-Champion als legitim ansehen, ohne dass dieser gegen denjenigen angetreten ist, der diesen Gürtel noch nie verloren hat?