Ein Ingenieur, der Code für einen Industrieroboter oder einen digitalen Zwilling einer Fabrik schreibt, sieht seine Lösung normalerweise niemals „live" – in Metall, mit Kameras und Manipulatoren. GlobalLogic, ein Unternehmen der Hitachi-Gruppe mit einer starken Ingenieurbasis in der Ukraine, wollte dies ändern und eröffnete in Krakau die erste Physical-AI-Demozone in Europa – einen physischen Ort, an dem Kunden Roboter, Drohnen und digitale Zwillinge in Aktion sehen können, nicht nur in Präsentationen.
Was in Krakau zu sehen ist
Die Demozone umfasst fünf Bereiche: kognitive Assets, digitale Zwillinge und Simulationen, autonome Operationen, Robotik und Automatisierung sowie autonome Infrastruktur. Zu den konkreten Projekten gehören Datenerfassungssysteme mit Hilfe von Computer Vision, Infrastrukturüberwachung durch Drohnen, robotisierte Komplexe sowie Werkzeuge zur Ausrüstungswartung und Qualitätskontrolle.
Das Unternehmen betont, dass es auf mehr als 25 Jahren Erfahrung in der Entwicklung von eingebetteten Systemen, Computer Vision und industrieller Automatisierung aufbaut, die es nun in Industrie, Verkehr, Medizin und kritischer Infrastruktur anwendet.
Warum dies nicht nur PR ist, sondern Geld bedeutet
Nach Angaben von Branchenanalysten wurde der europäische Physical-AI-Markt 2025 auf 1,18 Milliarden Dollar bewertet und wird bis 2035 voraussichtlich auf fast 19 Milliarden Dollar anwachsen, mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 32%. Dies ist keine abstrakte Zahl – dahinter verbergen sich Implementierungsverträge, Modernisierungen von Produktionslinien und folglich die Nachfrage nach Ingenieuren, die Software mit Hardware verbinden können.
Analysten verzeichnen auch eine strukturelle Verschiebung: Ein akuter Arbeitskräftemangel, steigende Industrielöhne und die Notwendigkeit einer ununterbrochenen 24/7-Versorgung treiben Unternehmen aktiv zur Einführung von Robotik an. Für Unternehmen bedeutet dies eines – Investitionen in Physical AI sind jetzt keine Spielerei, sondern eine Möglichkeit, die Produktion dort am Laufen zu halten, wo es einfach nicht genug Menschen gibt.
Krakau statt Kiew – und was dies für ukrainische Ingenieure bedeutet
GlobalLogic verfügt über einen der größten Ingenieurbereiche genau in der Ukraine – und genau ukrainische Teams entwickelten jahrelang Lösungen für Computer Vision, eingebettete Systeme und industrielle Automatisierung, die nun polnischen und europäischen Kunden vorgeführt werden. Aber das physische „Schaufenster" für Investoren und Kunden baut das Unternehmen in Krakau auf – einer Stadt ohne Luftalarme, mit vorhersehbarer Logistik und Status eines EU-Mitglieds.
Dies ist eine alltägliche, aber wichtige wirtschaftliche Kriegslogik: Intellektuelle Arbeit bleibt in der Ukraine, während Kapitalinvestitionen und Showrooms dorthin gehen, wo das Risiko vorhersehbar ist. Für den Arbeitsmarkt bedeutet dies, dass Arbeitsplätze für Ingenieure mittlerer und höherer Qualifikation nicht verschwinden, aber neue Produktions- und Demonstrationsstätten, um die herum Mehrwert geschaffen wird, lassen sich im Ausland nieder.
- GlobalLogic stellte kürzlich die VelocityAI-Plattform vor, um die schnellere Einführung von KI in Unternehmen zu ermöglichen.
- Das Unternehmen erläuterte, welche Fähigkeiten Anfänger in der IT 2026 benötigen werden.
- 2025 erwarb Hitachi, der Eigentümer von GlobalLogic, das deutsche Unternehmen Synvert – ein weiterer Schritt zur Konsolidierung von Ingenieurskapazitäten in Europa.
Die Frage für die nächsten Jahre ist einfach: Wird dieses Modell – Entwicklung in der Ukraine, Demonstration und Kapital in Europa – zu einer dauerhaften Architektur für den gesamten ukrainischen IT-Sektor werden, und was bedeutet das für lokale Investitionen, wenn (und falls) die Sicherheitssituation es ermöglicht, solche Zentren zu Hause zu bauen?