Der Iran hat die Produktion ballistischer Raketen unter Verwendung von vor dem Krieg angesammelten Komponenten und unterirdischen Produktionsanlagen wieder aufgenommen. Dies berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf amerikanische und nahostliche Beamte.
Nach Angaben der US-Geheimdienste ist die aktive Montage von Raketen ungefähr Mitte Juni wieder aufgenommen worden – unmittelbar nach dem Waffenstillstand mit den Vereinigten Staaten. Der Iran produziert Raketen sowohl mit flüssigem als auch mit Feststoff, was auf die parallele Arbeit mehrerer Produktionslinien hindeutet.
Aktivitäten wurden an mehreren unterirdischen Objekten registriert, darunter am Raketenkomplex Hodschir im Südosten des Landes. Teheran versucht auch, neue unterirdische Produktionsstätten zu schaffen – ein Schritt, der die Überwachung und mögliche zukünftige Anschläge erschwert.
Produktion bleibt begrenzt
Nach Schätzungen von WSJ-Quellen produziert der Iran derzeit deutlich weniger Raketen als vor dem Krieg. Mehrere Fabriken und Infrastruktur wurden durch Luftschläge der USA und Israels beschädigt, und eine Seeblockade hat den Import erforderlicher Komponenten erschwert.
Im Frühjahr erklärte der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, dass das iranische Raketenprogramm „faktisch zerstört" sei und das Land nicht in der Lage sei, neue Raketen zu produzieren.
Das iranische Raketenprogramm ist faktisch zerstört.
Das Weiße Haus antwortete auf Anfragen des WSJ zur Wiederaufnahme der Produktion nicht direkt und sprach stattdessen von einer ernsthaften Schwächung der iranischen Streitkräfte insgesamt.
Was das bedeutet
Die Wiederaufnahme der Montage in unterirdischen Anlagen bei begrenzten Kapazitäten ist ein typisches Anpassungsszenario unter Luftschlägen: Das Land setzt nicht das Vorkriegstempo fort, erhält aber die technologische Lieferkette und Personalbestände. Die Schlüsselfrage ist nun, ob es dem Iran gelingen wird, die Komponenteneinfuhr trotz Seeblockade wieder aufzunehmen, und ob das aktuelle Produktionsniveau die Grundlage für ein schnelleres Wachstum bildet, sollte der Waffenstillstand mit den USA zusammenbrechen.