Klimaanlage + Angriff + Unwetter: Warum der Abend des 30. Juni ein dreifacher Test für das Energiesystem war

Die Hitze hat den Stromverbrauch um 25% in die Höhe getrieben, Kriegsschäden halten 5 Regionen ohne Strom, und Stürme haben die Elektrizität in weiteren 8 unterbrochen. Stundenweise Abschaltungen von 17:00 bis 22:00 Uhr sind keine Notfallmaßnahme, sondern die Rechnung des Defizits.

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Am Dienstag, 30. Juni, war das ukrainische Energiesystem gleichzeitig mit drei unabhängigen Belastungen konfrontiert: den Folgen russischer Anschläge, Sturmwetter und anomaler Sommerhitze. Das Energieministerium führte stündliche Abschaltungen in allen Regionen von 17:00 bis 22:00 Uhr ein — genau zu dem Zeitpunkt, wenn der Haushaltsverbrauch seinen Tageshöhepunkt erreicht.

Drei Gründe für ein Defizit

Durch feindliche Anschläge wurden 5 Gebiete teilweise stromlos, durch Unwetter weitere 8. Nach Angaben des Energieministeriums blieben nur durch die Stürme fast 600 Gemeinden in den Regionen Wolhynien, Schytomyr, Kiew, Lwiw, Ternopil, Chmelnyzkyj, Tscherkassy und Tschernihiw ohne Stromversorgung. Reparaturbrigaden sind bereits vor Ort tätig.

Doch selbst ohne Anschläge und ohne Unwetter belastet die Hitze allein die Netze kritisch. Wie Sergij Kowalenko, Generaldirektor von Yasno, erklärte, addieren jeweils zusätzliche +3°C in Kiew etwa 100 MW Belastung zum System hinzu — und dies betrifft nicht nur private Klimaanlagen, sondern auch industrielle Kühlsysteme in Büros, Einkaufszentren und Betrieben. Nach Schätzung des Vorstandsvorsitzenden von Ukrenergo Vitalij Zajchenko erhöhen die Hitze und die massive Nutzung von Klimaanlagen den Gesamtverbrauch um 25%.

«Europa und damit auch die Ukraine sind in eine Phase anomaler Hitze eingetreten. Für die Energiewirtschaft bedeutet das eines — einen starken Anstieg des Verbrauchs».

Sergij Kowalenko, Generaldirektor von Yasno

Warum gerade 17:00–22:00 Uhr

Ukrenergo definiert zwei Spitzenlastfenster pro Tag: von 8:00 bis 11:00 Uhr und von 17:00 bis 22:00 Uhr. Die abendliche Spitzenlast ist die schärfste: Menschen kehren nach Hause zurück, schalten Klimaanlagen, Boiler und Waschmaschinen gleichzeitig ein. Energietechniker fordern auf, diese Geräte außerhalb des Spitzenlastfensters zu nutzen oder ihren Einsatz zu reduzieren: Selbst eine Verbrauchssenkung um 10–15% in diesen Stunden kann das System erheblich entlasten.

Wie belastbar das System ist

Zajchenko merkte an, dass das Energiesystem diesen Sommer widerstandsfähiger ist als im Vorjahr — dank verstärktem Schutz von Umspannwerken und Entwicklung dezentraler Stromerzeugung. Jeden Monat wird eine neue Gasgenerierung in Betrieb genommen, die hilft, das System in Spitzenlastzeiten auszugleichen. Doch er schloss nicht aus: Wenn anhaltende Hitze mit massiven Angriffen zusammenfällt, könnten die Abschaltungen im Juli und August bis zu 5 Stunden pro Tag erreichen.

Kowalenko wies zusätzlich auf ein verborgenes Risiko hin: Ausrüstung, die bereits über vier Jahre unter Kriegsbedingungen und zahlreichen Angriffen arbeitet, verträgt Wärmespitzen physisch schlechter — die Verschleiß der Infrastruktur macht jede Hitzewelle zu einem Stresstest.

  • 5 Gebiete — teilweise stromlos durch Kampfschäden
  • 8 Gebiete, etwa 600 Dörfer und Städte — stromlos durch Stürme
  • +25% zum Verbrauch — Auswirkung der Hitze auf das gesamte System
  • 100 MW — zusätzliche Belastung auf Kiew je +3°C

Falls die heiße Phase länger als 2–3 Tage andauert und mit dem nächsten Anschlag auf die Stromerzeugung zusammenfällt — wird die neue dezentrale Stromerzeugung ausreichen, um die Abschaltungen im Rahmen stündlicher Pläne zu halten und nicht zu mehrstündigen Blackouts wie im Winter 2022–2023 zurückzukehren?

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