2 Milliarden Euro für 3000 Unternehmen: Wie die EBWE und die EU 315 Millionen Euro als Hebel für Geschäfte während des Krieges einsetzen

Ein neues Programm verschafft kleinen und mittleren Unternehmen Zugang zu günstigeren Krediten und Zuschüssen von bis zu 30% der Ausrüstungskosten — über ukrainische Partnerbanken der EBWE. Doch die eigentliche Frage ist nicht das Volumen, sondern ob die Versicherungsdeckung für Kriegsrisiken ausreicht, damit die Banken diese Mittel tatsächlich bereitstellen.

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Фото: Depositphotos

Wenn ein Fabrikbesitzer irgendwo in Krywyi Rih oder Zaporizhzhia einen Kredit für neue Ausrüstungen aufnehmen möchte, stellt die Bank zuerst die Frage: Wer trägt das Risiko, wenn das Werk bombardiert wird? Genau diese Hürde versucht das neue Paket der EBWE und der EU mit mehreren Ansätzen gleichzeitig zu überwinden.

Was ist tatsächlich geschehen

Wie Interfax-Ukraine unter Berufung auf eine Pressemitteilung der EBWE berichtet, fügt die Europäische Union 315 Millionen Euro Unterstützung durch den Mechanismus Ukraine Investment Framework (UIF) hinzu: 200 Millionen Euro Kreditgarantien, 105 Millionen Euro Zuschüsse und 10 Millionen Euro technische Hilfe. Diese Summe soll als Hebel fungieren, um 2 Milliarden Euro neue Kredite durch EBWE-Partnerbanken in der Ukraine für mindestens 3000 Mikro-, Klein- und Mittelbetriebe zu mobilisieren.

Die Hebel-Arithmetik: Jeder Euro EU-Zuschuss- und Garantieunterstützung generiert etwa 6,3 Euro Kreditvergabe. Dies ist ein standardisiertes Multiplikatormodell von Entwicklungsbanken, das in der Praxis nur dann funktioniert, wenn die vermittelten Banken bereit sind, das Restrisiko zu tragen.

Was das Geschäft konkret erhält

Das Programm sieht einen Zuschussanteil von 10% bis 30% der Kapitalinvestitionskosten vor – vor allem für energieeffiziente und „grüne" Ausrüstungen sowie Technologien, die EU-Standards entsprechen. Nach Angaben der EBWE sind diese Anreize für Unternehmen gedacht, die beschädigte Vermögenswerte ersetzen oder modernisieren müssen.

Ein separates Element ist der Pilotmechanismus Enterprise Security Enhancement (ESE): Er gibt Banken ein Instrument zur Verringerung der Schuldenlast von Kreditnehmern, deren finanziertes Vermögen durch Kampfhandlungen beschädigt wurde. Die erste Phase wurde bereits gestartet – mit der PrivatBank (6,8 Millionen Euro) und der Raiffeisenbank (1,2 Millionen Euro). Das neue Programm erweitert diesen Ansatz.

„Ukrainische Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen: steigende Finanzierungskosten, unterbrochene Logistikketten, Bedarf zum Ersatz beschädigter Ausrüstungen"

— Pressemitteilung der EBWE

Kontext: EBWE hat bereits einen Rekord aufgestellt

Nach Angaben von ain.ua hat die EBWE der Ukraine im Jahr 2025 Rekord-Finanzierungen in Höhe von 2,9 Milliarden Euro bereitgestellt – darunter 1,2 Milliarden Euro über Partnerfinanzinstitute und 504 Millionen Euro im Rahmen von Portfoliorisiko-Verteilungsprogrammen, die neue Kredite in Höhe von bis zu 1,6 Milliarden Euro ermöglichten. Stand Mai 2026 erreichte das gesamte von der EBWE der Ukraine bereitgestellte Finanzierungsvolumen 23,83 Milliarden Euro für 694 Projekte, wie das ukrainische Finanzministerium angibt.

Das neue Paket ist Teil eines breiteren UIF-Mechanismus mit einem Gesamtbudget von 9,3 Milliarden Euro, das fünf internationale Finanzinstitutionen umfasst: EBWE, EIB, IFC, KfW und BGK. Nach Aussagen des stellvertretenden Wirtschaftsministers Oleksii Soboliew in einem Kommentar für Forbes.ua beantragen Unternehmen für Projekte bis 3 Millionen Euro über ukrainische Partnerbanken, für über 10 Millionen Euro direkt bei den MFO.

Wo liegt der Engpass

Das Programm sieht auch eine Versicherungskomponente vor – die Entwicklung von Lösungen zur Deckung von Kriegsrisiken und Versicherungssubventionen für KMU im Rahmen eines Pilotprojekts. Dies ist grundsätzlich wichtig: Ohne Kriegsrisikoversicherung werden Banken selbst mit EBWE-Garantien vorsichtig bleiben.

Nach einer Schätzung des Wirtschaftsministeriums, die Liga.net anführt, benötigt die Ukraine jährlich über 5 Milliarden Euro zur Versicherung von Kriegsrisiken, um privates Kapital für den Wiederaufbau anzuziehen. Die neuen 315 Millionen Euro von der EU sind etwa 6% dieses Bedarfs.

  • EU-Garantien (200 Millionen Euro) – reduzieren das Kreditrisiko für Partnerbanken
  • Zuschüsse (105 Millionen Euro) – decken 10–30% der Ausrüstungskosten für KMU
  • Technische Hilfe (10 Millionen Euro) – Vorbereitung von Anträgen und Weiterentwicklung von Projekten
  • ESE-Mechanismus – teilweise Schuldenerlass bei Zerstörung von Vermögenswerten durch Kampfhandlungen

Falls das Pilotprojekt zur Kriegsrisikoversicherung im Rahmen dieses Programms bis Ende 2026 nicht von wenigen Millionen auf ein systemisches Ausmaß skaliert wird, werden 2 Milliarden Euro Kreditpotenzial nur Potenzial bleiben und keine ausgegebenen Gelder auf den Konten ukrainischer Unternehmen.

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