22. Juli meldete das Ministerium für digitale Transformation die Ausweitung des 5G-Pilotprojekts auf Kiew. Das Signal ist bereits in der Innenstadt und auf den Betreiberstellen vorhanden. Aber zwischen „es gibt ein Signal" und „man kann es nutzen" — klafft eine Lücke so breit wie der Kriegszustand.
Lwiw, Charkiw, Boryspil — und jetzt Kiew
Das Pilotprojekt wird schrittweise ausgerollt. Kyivstar führte erste Tests bereits im Februar 2024 in seinem eigenen Büro in Kiew durch. Dann folgte Lwiw (April–Oktober 2025), im Februar 2026 startete die Zone in Charkiw. Kiew wurde zur vierten großen Lokation; Odessa soll laut Plan bis Ende 2026 hinzukommen.
Alle drei Betreiber — Kyivstar, Vodafone und lifecell — testen das Netz gemeinsam. Nach Aussage von Kyivstar-CEO Oleksandr Komarov dauert die Beschaffung von Ausrüstung und der Bau von Basisstationen etwa ein halbes Jahr.
Warum man 5G nicht einfach „einschalten" kann
Der vollständige Start ist auf Ebene des Gesetzes und der Sicherheit blockiert. Wie das Ministerium für digitale Transformation erklärt, arbeitet 5G auf Frequenzen, die möglicherweise militärische Ausrüstung stören können.
«Um die Technologie zu starten, müssen wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt und eine Genehmigung des Generalstabs eingeholt werden. All dies ist nur nach Beendigung des Kriegszustands möglich»
— Vertreter des Ministeriums für digitale Transformation Prybytkо
Der kommerzielle Start erfordert darüber hinaus eine Frequenzauktion — auch diese ist nur nach Beendigung des Kriegszustands möglich, voraussichtlich etwa ein Jahr später. Das heißt, selbst im optimistischsten Szenario liegen zwischen Frieden und echtem 5G — mindestens ein Jahr administrativer Verfahren.
Was genau wird im Pilotprojekt getestet
Das Pilotprojekt hat drei konkrete Ziele:
- Technische Kompatibilität — ob 5G militärische Kommunikationssysteme in einer echten Stadt stört.
- Infrastruktur-Bereitschaft — Basisstationen unterstützen 5G bereits auf Hardware-Ebene, benötigen aber eine Softwaremodernisierung für den kommerziellen Betrieb.
- Tarifmodell — Betreiber haben öffentlich erklärt, dass die Tarife in der Testphase nicht steigen, aber nach dem kommerziellen Start könnte sich das ändern.
Nach Aussage von lifecell-CEO Mychajlo Schelemba wird die Skalierung schrittweise erfolgen und nach dem Krieg beginnen — zuerst große Städte, dann Regionen.
Kiew als Argument, nicht als Dienstleistung
Das Erscheinen von 5G in der Hauptstadt ist vor allem ein Signal an Investoren und Partner: Die Ukraine entwickelt digitale Infrastruktur auch während des Krieges. Dies ist Teil der Telekommunikationsstrategie bis 2030, die die Regierung per Verordnung zusammen mit der Genehmigung für das Pilotprojekt angenommen hat. Der praktische Nutzen für den durchschnittlichen Kiewer ist derzeit — null: Smartphones mit 5G-Unterstützung gibt es, das Netz in der Innenstadt gibt es, aber es gibt keinen kommerziellen Zugang und wird es nicht geben, bis der Kriegszustand beendet ist.
Wenn die Frequenzauktion innerhalb eines Jahres nach dem Frieden stattfindet und die Betreiber bereits eine fertige Infrastruktur haben — wird die Ukraine 5G kommerziell starten können, bevor die meisten Länder Mitteleuropas ihren Übergang abgeschlossen haben?