Leiser, aber systematischer Schritt gegen Kinderfettleibigkeit
Am Montag, dem 5. Januar, trat in Großbritannien ein neues Gesetz in Kraft, das die Werbung für Produkte mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt (HFSS) in Online-Medien und im Fernsehen bis 21:00 Uhr verbietet, berichtet The Guardian. Die Regierung positioniert diesen Schritt als Teil einer Strategie im Kampf gegen Kinderfettleibigkeit.
Was genau verboten ist
Die Regeln umfassen 13 Warengruppen — von süßen alkoholfreien Getränken, Chips und Backwaren bis hin zu Pizza, Eiscreme und sogar Teilen des „Frühstücks“-Sortiments (Breie, Müsli). Sogar „Sandwiches jeglicher Art“ fallen unter das Verbot. Gleichzeitig bleibt es möglich, eine Marke zu bewerben, sofern in der Werbung kein konkretes Produkt gezeigt wird.
„Das Marketing von Produkten mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt fördert die Ausbildung schädlicher Essgewohnheiten bei Kindern.“
— WHO / Position der internationalen öffentlichen Gesundheit
Warum das wichtig ist — kurz erklärt
Erstens prägt Werbung nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Ernährungspräferenzen von Kindern — Gewohnheiten entstehen gerade in frühen Lebensphasen. Zweitens ermöglichten digitale Plattformen die Umgehung von TV-Beschränkungen: personalisierte Online‑Anzeigen sind deutlich effektiver bei der Veränderung von Verhalten. Daher stellt das Verbot, das auch den Online‑Bereich umfasst, eine neue Stufe der Regulierung dar.
Folgen für Markt und Plattformen
Werbetreibende werden nach neuen Einflusskanälen suchen: Marken‑Kampagnen ohne Produktdarstellung, die Bewerbung von Alternativen und Aufklärungsprojekte. Plattformen müssen Targeting und Berichtspflichten strenger moderieren. Für Marketingagenturen bedeutet das eine Neuorientierung der Strategien; für Konsumenten könnte dies eine geringere Exposition gegenüber schädlichen Inhalten bedeuten.
Kontext: digitale Welt und Risiken von Schlupflöchern
Eine besondere Herausforderung sind „Marken“-Werbung und Umgehungspraktiken. Das Gesetz erlaubt die Bewerbung einer Marke, sofern kein konkretes Produkt gezeigt wird. Das eröffnet Werbetreibenden Spielraum für kreative Lösungen und birgt zugleich das Risiko, den Einfluss durch indirekte Signale aufrechtzuerhalten. Außerdem sei daran erinnert, dass vor dem Hintergrund der Debatten um die Monetarisierung von KI (unter anderem Berichte über Werbung in ChatGPT gegen Ende 2025) die Kontrolle digitaler Einflüsse noch relevanter wird.
Lehre für die Ukraine
Der britische Fall ist keine allgemeingültige Anleitung, aber eine wichtige Demonstration eines Ansatzes: die Verbindung zeitlicher Beschränkungen in traditionellen Medien mit einem umfassenden Verbot im Internet. Für die Ukraine ergeben sich drei praktische Fragen zur Diskussion: Ist die Infrastruktur zur Überwachung digitaler Werbung bereit? Wie lassen sich Gesetze mit den Rechten der Wirtschaft vereinbaren? Und welche sozialen Programme werden die Regulierung begleiten, damit nicht nur kosmetische Verhaltensänderungen erzielt werden?
Kurzfazit
Die Entscheidung Großbritanniens ist ein Beispiel dafür, wie Staaten versuchen, Kinder vor aggressivem Marketing zu schützen. Für die Ukraine ist dies ein Signal: Die Regulierung des digitalen Raums und die Gesundheitspolitik müssen Hand in Hand gehen, sonst bleibt die Wirkung von Verboten begrenzt.