Russische Drohnen haben ein Getreidesilo des Unternehmens Kernel in der Region Chmelnyzkyj angegriffen. Durch den Anschlag wurden Behälter und Lagerhallen zur Getreidespeicherung beschädigt, wie das Unternehmen selbst mitteilte.
Kernel ist einer der weltweit größten Produzenten und Exporteure von Sonnenblumenöl und ein Schlüsselakteur des ukrainischen Agrarmarktes. Ein Anschlag auf seine Infrastruktur ist nicht nur ein lokaler Schaden: jedes zerstörte Getreidesilo nimmt ein Glied aus der Kette heraus, die vom Feld zum Weltlebensmittelmarkt führt.
Russland führt seit 2022 systematische Anschläge auf die Agrarinfrastruktur der Ukraine durch. Nach Angaben des Agrarministeriums wurden in dieser Zeit Hunderte von Getreideelekvatoren, Getreidespeichern und Verarbeitungsanlagen im ganzen Land beschädigt oder zerstört. Die Region Chmelnyzkyj ist zwar relativ weit von der Front entfernt, wird aber bereits wiederholt durch Anschläge auf strategische Objekte getroffen.
Das Ausmaß der Schäden und die genauen Verluste werden von dem Unternehmen bislang nicht offengelegt. Es ist auch unklar, ob sich zum Zeitpunkt des Anschlags Getreide in den Behältern befand und welche Menge möglicherweise beschädigt wurde.
Anschläge auf Getreideelektvatoren sind Anschläge mit verzögerter Wirkung: Getreide, das nicht gelagert werden kann, muss entweder vorzeitig zu einem niedrigeren Preis verkauft oder verloren werden. Für den Landwirt bedeutet dies eine direkte Verringerung der Deviseneinnahmen, die die Ukraine kritisch zur Finanzierung ihrer eigenen Verteidigung benötigt.
Die Frage, die offen bleibt: Wenn Anschläge auf Agrarinfrastruktur im tiefen Hinterland regelmäßig und nicht nur vereinzelt stattfinden – verfügt der Staat dann über eine systematische Antwort, die über die Erfassung von Schäden hinausgeht?