Kurz: was passiert ist
Nach Angaben des Staatlichen Zolldienstes stieg das Importvolumen elektrischer Telefon‑ oder Telegraphenapparate und Videotelefone (УКТЗЕД 8517) im Januar 2026 um 49,2% gegenüber Januar 2025 — auf 177,8 Mio. $. Das ist eine deutliche Beschleunigung nach einem Jahresimportvolumen 2025 von knapp 1,63 Mrd. $ (29,5% mehr als 2024).
Woher die Lieferungen am stärksten stammen
Den Löwenanteil der Lieferungen im Januar lieferte China — 58,1% bzw. etwa 103,3 Mio. $. Weitere nennenswerte Lieferanten: Großbritannien (9,2%, 16,3 Mio. $) und die USA (8,8%, 15,6 Mio. $). Zum Vergleich: 2025 führten China (907,9 Mio. $), Vietnam (21 Mio. $) und Taiwan (13,6 Mio. $).
Export — klein und stabil
Der Export dieser Warengruppe aus der Ukraine belief sich im Januar auf 10,4 Mio. $ (gegenüber 10,5 Mio. $ im Januar 2025). Hauptabnehmer sind Ungarn (65%), Polen (22%) und Taiwan (6,8%). Das deutet auf beständige Exportwege hin, zeigt aber auch eine deutliche Disproportion zwischen Import und Export.
„Der Anstieg der Importe ist nicht nur ein Signal erhöhten Bedarfs: es ist eine Veränderung der Struktur der Lieferketten, die Fragen nach Diversifizierung, Netzsicherheit und der Unterstützung lokaler Montage‑ und Serviceinitiativen aufwirft.“
— Analyse der Redaktion RazomUA
Warum das für die Ukraine wichtig ist
1) Konsumwirtschaft und Vertrauen. Der Anstieg der Importe im Kontext von Krieg und nachfolgendem Wiederaufbau deutet auf die Erholung der Kaufkraft und auf vorhandene Versorgungskanäle hin. Eine Umfrage von Rakuten Viber zeigt, dass Ukrainer ihre Telefone im Schnitt alle 4–5 Jahre wechseln; das Wachstum ist demnach teilweise ein kumulativer Effekt der Erneuerung des Gerätepools und nicht eine jährliche Massen‑Nachfrage.
2) Strategische Abhängigkeit. Der hohe Anteil der Lieferungen aus China (58%) verstärkt Risiken in Bezug auf Störungen der Lieferketten, Qualitätskontrolle und mögliche Fragen der Cybersicherheit. Das verbietet den Handel nicht, stellt aber Anforderungen an staatliche Politik und Unternehmen hinsichtlich Diversifizierung der Lieferanten und Zertifizierung der Geräte.
3) Chancen für die lokale Industrie. Die Differenz zwischen Import und Export zeigt Raum für die Entwicklung von Komponenten, Service und Montage in der Ukraine. Investitionen in Servicezentren, Zertifizierung und lokale Montage können die externe Verwundbarkeit verringern und Arbeitsplätze schaffen.
Kurze Schlussfolgerungen und Ausblick
Der Anstieg der Telefonimporte ist nicht nur eine Verkaufsstatistik. Es ist ein Signal: der Markt belebt sich, aber die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten erhöht die strategischen Risiken. Jetzt ist die Politik gefordert — wie lässt sich die Importwelle in einen Katalysator für die Entwicklung lokaler Dienste, Produktion und Diversifizierung der Lieferketten verwandeln?
Der nächste Schritt liegt bei Staat und Wirtschaft: technische Standards und Zertifizierung, Maßnahmen zur Unterstützung lokaler Montage und zur Förderung alternativer Lieferanten. Ob der ukrainische Markt diese Chance nutzt, hängt von Entscheidungen an der Schnittstelle von Wirtschaft und Sicherheit ab.