Differenzierung statt Vereinheitlichung: Was sich geändert hat und warum das wichtig ist
Ab dem 1. März 2026 ändert das Kabinett die Bedingungen des Programms „Nationaler Cashback“: anstelle eines einheitlichen Satzes **10%** werden zwei eingeführt — **5%** und **15%**, teilte das Ministerium für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft mit. Das ist kein kosmetischer Schritt: der Staat lenkt den Anreiz dorthin, wo die Chance besteht, Importe effektiv zu substituieren und lokale Produzenten zu unterstützen, ohne zusätzliche Belastung des Haushalts.
Die Initiative hatte Wirtschaftsminister Oleksij Sobolev bereits vor einem Monat in einem Interview mit LIGA.net öffentlich angekündigt; nun ist die Entscheidung formalisiert und tritt in Kraft.
Wer 15% bekommt und wer 5%
Den höheren Satz **15%** erhalten Kategorien, in denen der Importanteil über 35% liegt und Potenzial für Substitution durch lokale Produktion besteht. Dazu gehören: Kosmetik, Hygieneartikel, Haushaltschemie, Waren für Haushalt und Renovierung, Produkte für Tiere, Schreibwaren, Kleidung und Schuhe sowie einzelne Lebensmittelpositionen (hart- und weiche Käsesorten, ausgewählte Teigwaren und Getreide).
Der Satz **5%** gilt für Waren, bei denen der Import weniger kritisch ist: Süßwaren, alkoholfreie Getränke, Apothekenwaren, Garten- und Balkonbedarf, Snacks, Konserven, Gemüse und Obst, Fisch und Meeresfrüchte, Öl, die meisten Fleisch- und Milchprodukte, Brot und Backwaren, Mehl, Tiefkühlprodukte, Eier und andere Trockenwaren.
Was die Regierung sagt und worauf die Hersteller setzen
"Der differenzierte Cashback wird die Nachfrage nach ukrainischen Produkten dort stärken, wo ein signifikanter Importanteil vorhanden ist und das Potenzial besteht, einen Teil davon durch lokale Waren zu ersetzen – ohne Erhöhung des Gesamtbudgets des Programms. Wir behalten uns das Recht vor, das Programm weiterhin entsprechend den Forderungen der Hersteller und der Marktlage zu kalibrieren"
— Oleksij Sobolev, Wirtschaftsminister
Die Regierung betont die haushaltsneutrale Wirkung: Das Instrument verändert die Verteilung der Anreize, nicht deren Gesamtvolumen. Für Produzenten ist das ein Signal: Priorität in der staatlichen Politik haben jene Sektoren, in denen Importe Wettbewerbsdruck erzeugen und in denen die lokale Produktion schnell die Mengen erhöhen kann.
Folgen für Verbraucher und Einzelhandel
Für den Käufer bedeuten die Änderungen einfache wirtschaftliche Mathematik: in bestimmten Kategorien steigt der Anreiz (Effekt — geringere relative Kosten beim Kauf ukrainischer Produkte), in anderen sinkt er. Der Einzelhandel erhält seinerseits ein klares Signal für die Sortimentspolitik: Produkte mit dem Vermerk „Unterstützung nationaler Hersteller“ können dort stärker gefördert werden, wo der Cashback bei 15% liegt.
Was fehlt und welche Risiken bestehen
Die Wirkung der Differenzierung hängt von der Qualität der Umsetzung ab: eine klare Liste von Warengruppen, eine transparente Methodik zur Bewertung des Importanteils, Kontrolle von Missbräuchen und die Fähigkeit der Hersteller, die Produktion schnell zu skalieren. Analysten weisen darauf hin, dass der Cashback allein ohne begleitende Maßnahmen — Investitionen in Produktionskapazitäten und Logistik — keinen Sprung bei der Lokalisierung bringen wird.
Kurze Prognose
Die Entscheidung des Kabinetts ist ein pragmatisches Instrument der Wirtschaftspolitik: Der Staat lenkt begrenzte Ressourcen dorthin, wo sie die heimische Produktion am schnellsten stärken können. Nächste Schritte sind die Detaillierung der Listen, Marktüberwachung und Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Wenn all dies professionell umgesetzt wird, kann das Programm zu einem spürbaren Katalysator der Importverlagerung werden; wenn nicht, bleibt der Anreiz symbolisch.
Jetzt sind die Hersteller, der Einzelhandel und die Kontrollbehörden am Zug: Wird es gelingen, den Cashback in eine nachhaltige Unterstützung ukrainischer Produzenten zu verwandeln und nicht in eine einmalige Marketingaktion?