US-Justizministerium nimmt Netflix–Warner-Deal ins Visier: Droht dem Abo-Markt eine Konzentration von Inhalten?

Das US-Justizministerium (DOJ) prüft, ob Netflix während seines Angebots für Warner Bros. Discovery wettbewerbswidrige Praktiken angewandt hat. Das ist nicht nur ein juristischer Streit — es geht um die Wahl der Zuschauer, die Macht der Kreativen und die Perspektive der globalen Medienpolitik.

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Was passiert ist

Das US-Justizministerium (DOJ) hat eine Prüfung eingeleitet, ob Netflix bei seinem Angebot zum Kauf der Vermögenswerte von Warner Bros. Discovery, darunter die Warner-Studios und der Streamingdienst HBO Max, wettbewerbswidrige Praktiken angewandt hat. Das berichtet The Wall Street Journal unter Berufung auf interne Unterlagen des Ministeriums.

„Das Unternehmen betrachtet das Vorgehen der Behörde als routinemäßige Prüfung.“

— Стівен Саншайн, адвокат Netflix

Worum es bei den Vorwürfen geht

Das DOJ analysiert mehrere Aspekte: ob Verhandlungen oder Vertragsbedingungen Netflix Vorteile verschafft haben könnten, die dem Wettbewerb schaden würden, und ob das Angebot als horizontale Fusion (Konkurrenten auf demselben Markt) oder als vertikale Vereinbarung (Distributor und Inhaltsanbieter) zu betrachten ist. Die Behörde hat zudem Informationen zu Verträgen mit Kreativschaffenden angefordert — ein wichtiger Indikator dafür, ob die Zusammenlegung die Bedingungen für Kulturschaffende verändern könnte.

Wesentliche Fakten

Netflix kündigte die Vereinbarung am 5. Dezember an; der Betrag beläuft sich auf rund $82,7 Mrd.. Würde man die Abonnentenbasen zusammenlegen, würden Netflix und HBO Max potenziell rund 30 % des US-Marktes für abonnementsbasierte Streamingdienste kontrollieren — eine Zahl, die die Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden geweckt hat. Netflix erwidert, dass viele HBO-Max-Abonnenten bereits ihren Dienst nutzen (laut Firma bis zu 80 % Überschneidung) und dass die Zusammenlegung nur etwa 10 % der gesamten Sehzeit in Haushalten ausmachen würde.

Parallel dazu hat Paramount Klage eingereicht und verlangt mehr Informationen über den Deal, und Warner soll im Rahmen des geplanten Restrukturierungsplans die Sparte Global Networks bis zum dritten Quartal 2026 abspalten. Der Abschluss der Transaktion ist innerhalb von 12–18 Monaten geplant, die endgültigen Fristen können sich jedoch wegen regulatorischer Prüfungen verschieben.

Warum das für Zuschauer und Markt wichtig ist

Fälle dieser Größenordnung entscheiden mehr als nur Marktanteile großer Konzerne. Sie bestimmen, wie konzentriert die Macht darüber sein wird, welche Inhalte ein Massenpublikum erreichen, welche Arbeitsbedingungen Schaffende vorfinden und wie sich Preis und Auswahl für Konsumenten entwickeln. Wettbewerbspolitik dient dem Erhalt von Wettbewerb, der Produktvielfalt und Innovation fördert.

Kartellrechtsexperten weisen auf zwei Hauptgefahren hin: die horizontale Konzentration durch die Übernahme direkter Wettbewerber und die vertikale Integration, wenn ein Distributor Kontrolle über zentralen Content erlangt. Jeder dieser Fälle hat unterschiedliche rechtliche und praktische Konsequenzen.

Wie es weitergeht

Die Untersuchung befindet sich in einem frühen Stadium; Fusionsprüfungen dauern oft bis zu einem Jahr, manchmal auch kürzer. Mögliche Ergebnisse reichen von der Ablehnung der Genehmigung oder Auflagen in Form struktureller oder verhaltensbezogener Auflagen bis hin zur Zustimmung ohne Änderungen. Ausschlaggebend werden die Belege für die marktliche Wirkung des Deals und die vertraglichen Bedingungen mit Kreativschaffenden sein.

Warum das für die Ukraine wichtig ist

Für die Ukraine, die in Kriegszeiten Informationssicherheit und kulturelle Vielfalt schützt, sind Präzedenzfälle in der Regulierung großer Mediendeals in den USA bedeutsam. Sie prägen globale Normen zur Konzentration von Medienbesitz und können den Zugang zu Inhalten, die Finanzierung kreativer Projekte und die internationale Distribution ukrainischer Filme und Serien beeinflussen.

Zusammenfassung: Das Justizministerium hat eine wichtige Prüfung gestartet — ein Test an der Grenze des Streamingmarkts: Ist es vertretbar, dass einige wenige Giganten die Spielregeln diktieren, oder nicht. Nun sind Regulierungsbehörden und Gerichte am Zug — von ihrer Entscheidung hängt nicht nur das Schicksal von $82,7 Mrd., sondern auch die künftige Machtverteilung in der globalen Medienindustrie ab.

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