Obolonskyj-Prospekt bis Podil: Wird Kiew den Verkehr nach der Bebauung von Rybalskyj bewältigen?

Statt Emotionen — Zahlen und Folgen: Die Bebauung des Rybalskyi-Areals könnte die einzige Anbindung an die Stadt überlasten. Wir analysieren, warum die Verlängerung des Obolonskyi-Prospekts keine populistische Geste, sondern eine technische Notwendigkeit ist.

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Warum das für Kiewer wichtig ist

Die Umgestaltung der Rybalskyj-Insel von einer Industriezone zu einem Wohnviertel ist nicht nur eine Investition in Immobilien. Es geht um tägliche Wege, die Geschwindigkeit der Rettungsdienste und die Belastbarkeit des Verkehrssystems der Hauptstadt. Wenn alles beim Alten bleibt, drohen die angrenzenden Magistralen, vor allem Naberezhno-Rybalska, zur Engstelle für tausende neuer Bewohner und Beschäftigte zu werden.

Geschichte und Ausmaß des Projekts

  • Der Kiewer Stadtrat hat bereits 2016 den detaillierten Bebauungsplan der Rybalskyj-Halbinsel genehmigt, der auch das Gelände der «Kuznya na Rybalskomu» umfasste.
  • Im Jahr 2019 sah das Projekt ein Wohnviertel für rund 15 000 Einwohner vor — etwa 36 Gebäude, 6 200 Wohnungen und ein Businesszentrum mit einer Fläche von 58 000 m².
  • Damals kündigte der Eigentümer der «Kuznya», Serhij Tihipko, das Projekt an; heute treibt der Geschäftsmann Ihor Mazepa die Initiative voran.

Mögliche Lösung: Verlängerung des Obolonskyj-Prospekts

Der Geschäftsführer des Entwicklers UDP, Andrij Semenov, erklärte in einem Interview mit LIGA.net deutlich, dass einer der Wege zur Entlastung des Verkehrs darin besteht, die Option einer direkten Verlängerung des Obolonskyj-Prospekts bis zum Podil vorzusehen. Das erfordert Änderungen in der städtebaulichen Dokumentation und eine Berücksichtigung im Generalplan Kiews.

"Nach der vollständigen Inbetriebnahme dieses Stadtviertels werden die angrenzenden Autobahnen in zusätzlichen Verkehrsströmen ersticken. Die Lösung dieses Problems liegt im Rahmen des Generalplans von Kiew. Insbesondere die mögliche Verlängerung des Obolonskyj-Prospekts direkt bis zum Podil, die in der städtebaulichen Dokumentation berücksichtigt werden sollte. Das würde helfen, die Naberezhno-Rybalska-Straße zu entlasten, die derzeit der einzige Verbindungspunkt zur Rybalskyj-Insel ist."

— Andrij Semenov, Geschäftsführer von UDP (LIGA.net)

Der Obolonskyj-Prospekt endet derzeit an der Bahnlinie in der Nähe der Metrostation Pochaina. Daher erfordern jegliche Änderungen eine Koordination mit dem Stadtrat, der Ukrzaliznytsia und den Eigentümern der angrenzenden Grundstücke — es ist nicht die Frage einer einzigen Entscheidung, sondern einer Serie technischer Schritte: Anpassung der Pläne, Entwurf von Überführungen oder Unterführungen, ingenieurtechnische Belastungsberechnungen.

Folgen und Alternativen

Wenn die Verlängerung des Prospekts Teil des Plans wird, würde dies einen Teil der Belastung von Naberezhno-Rybalska nehmen und die Erreichbarkeit des Podils verbessern. Ohne diese Maßnahme drohen längere Staus, verlangsamte ÖPNV-Routen und eine Verschlechterung der Lebensqualität in den angrenzenden Vierteln. Verkehrsmodelle, die von städtischen und privaten Analysten genutzt werden, zeigen: Die Infrastruktur muss der Erschließung von Flächen vorauslaufen, andernfalls steigen die Kosten für ausgleichende Maßnahmen.

Fazit

Die Umsetzung des Rybalskyj-Projekts ist eine Chance für Kiew, den Uferbereich der Stadt zu erneuern — allerdings nur bei synchronisierter Infrastrukturplanung. Die Verlängerung des Obolonskyj-Prospekts ist kein dekoratives Element, sondern ein Instrument, das das Risiko eines Verkehrskollapses in gesteuerte Entwicklung verwandeln kann. Der nächste Schritt ist ein klarer Zeitplan für Änderungen am Generalplan und eine transparente Koordination zwischen Behörden, Stadtplanern und Investoren. Ob es an politischem Willen und technischen Ressourcen fehlen wird — diese Frage wird den Komfort von Millionen Kiewern beeinflussen.

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