Kurz
Ende Januar reichte UTC (ein Unternehmen des Telekom‑Holdings Veon, Eigentümer von Kyivstar) beim АМКУ einen Antrag auf Erwerb der Kontrolle über die Vermögenswerte von UNS ein — einer Plattform für Mobilfunkmasten, die mit „Vodafone Ukraine“ zusammenarbeitet. Als Reaktion veröffentlichte eines der Mitglieder der „großen Drei“, lifecell, eine Erklärung zu dem Risiko der Monopolisierung des Mastmarktes und zu möglichen Verzögerungen beim Ausbau der Infrastruktur.
Position von lifecell
„Die Zusammenführung der passiven Mobilinfrastruktur zweier der größten Betreiber würde zu einer Monopolisierung und zu einer strukturellen Verzerrung des Telekom‑Marktes führen, was die Innovationsgeschwindigkeit beeinträchtigen und die Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Abonnenten schwächen kann. Die Folgen dieser Transaktion reichen weit über den Mobilfunkmarkt hinaus.“
— lifecell, Stellungnahme des Unternehmens
In der Erklärung wird außerdem betont, dass die breite Aufstellung der Infrastruktur dazu beigetragen habe, die Arbeit der Verteidigungskräfte, von Rettungsdiensten sicherzustellen und die Abonnenten während eines Cyberangriffs auf einen der Betreiber im Jahr 2023 zu unterstützen.
Kontext und Motivation des Deals
UTC und UNS sind Unternehmen, die Basisstationen errichten und warten und diese vermieten. Die Konsolidierung von Masten ermöglicht es Betreibern, Investitionskosten zu senken, die Netzabdeckung zu optimieren und die Bereitstellung von Diensten zu beschleunigen. Teilweise folgt diese Logik auch den Erwartungen der Investoren: 2024 verkaufte Turkcell lifecell an die Investmentfirma NJJ Holding von Xavier Niel, die eine größere Telekom‑Gruppe auf Basis von lifecell und Datagroup‑Volia formt. Das verändert Interessen und hemmt den Wettbewerb um infrastrukturelle Assets.
Was das für Abonnenten und die Sicherheit bedeutet
Die Zusammenlegung der Masten kann technische Vorteile bringen — geringere Betriebskosten und potenziell schnelleres Skalieren von Diensten. Die Risiken sind jedoch offensichtlich: Eine Verringerung der Zahl unabhängiger Infrastruktureigentümer reduziert den Wettbewerb, kann Innovationen bremsen und den Anreiz zur Verbesserung des Service mindern. Separat steht die Frage von Redundanz und Resilienz der Netze: Weniger Betreiber‑Eigentümer der Infrastruktur machen Netzstrukturen anfälliger bei Cyberangriffen oder kriegerischen Handlungen.
Regulatorische Perspektive
Der Antrag wurde beim АМКУ eingereicht, und genau der Regulierer muss beurteilen, ob die Transaktion Wettbewerbsrisiken schafft. Mögliche Instrumente reichen von Auflagen zum offenen Zugang zu den Vermögenswerten über strukturelle Beschränkungen bis hin zur Nichterteilung der Genehmigung. Analysten betonen, dass die Lösung wirtschaftliche Effizienz mit Sicherheitsgarantien verbinden muss.
Fazit
Der Fall ist mehr als eine weitere Geschäftstransaktion: Es geht darum, wer in Kriegszeiten und beim Wiederaufbau die Kontrolle über kritische Kommunikationsinfrastruktur haben wird. Ob ein Gleichgewicht zwischen Effizienz und Wettbewerb gefunden werden kann, hängt von der Entscheidung des АМКУ und davon ab, wie transparent die Parteien bei der Vereinbarung kompensatorischer Maßnahmen sind. Beachtung verdient nicht nur das rechtliche Procedere, sondern vor allem, wie sich die Folgen der Transaktion in Sprachqualität, Internetzugang und beim Funktionieren von Notdiensten für die Ukrainer bemerkbar machen werden.