OKKO-Partner und Agrarier aus Ternopil Hadz bauen eine Fabrik, die Gas nach Europa verkaufen wird — über eine Rohrleitung

Im Bezirk Chortkiv wird ein Biomethan-Komplex „Sokolov Energy" entstehen – ein gemeinsames Projekt der OKKO-Gruppe und des Agrokonzerns Gadza. Die Fabrik positioniert sich auf einem Markt, auf dem die Ukraine gerade ihre ersten Exportschritte unternommen hat.

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Фото: Вікіпедія / Петро Грушко

Im Februar 2025 pumpte die Ukraine zum ersten Mal Biomethan in die Europäische Union – eine Testlieferung führte das Unternehmen VITAGRO nach Deutschland durch. Wenige Monate später erschien im Einheitlichen Register zur Umweltverträglichkeitsprüfung eine Anmeldung für ein weiteres Werk – diesmal im Bezirk Chortkiv in der Region Ternopil, in der Nähe des Dorfes Sokoliv.

Wer dahinter steckt

Das Projekt wird von der LLC „Sokoliv Energy" realisiert, die im Dezember 2024 in Lviv registriert wurde. Gründer ist die LLC „Hadz-Agro" – ein Konzern, der sich auf Saatgutproduktion sowie den Anbau von Obst und Beeren spezialisiert. Zu den Endbegünstigten gehören der Ternopiler Agrarier Petro Hadz (50%) und Vitalii Antonov aus der OKKO-Gruppe (47,89%). Dies ist nicht das erste Energieprojekt von OKKO in der Region Ternopil: Das Unternehmen errichtet bereits eine Bioethanolanlage mit einer Kapazität von 83.000 Tonnen pro Jahr im Rahmen des Industrieparks „Bio-Lan" in der Lanowez-Gemeinde.

Was genau wird gebaut

  • Biomethanproduktion – 3,84 Millionen Kubikmeter pro Jahr
  • Stromerzeugung – fast 15 Millionen kWh pro Jahr
  • Rohstoffe: Rindergülle, Mais- und Roggenssilage, Getreideabfälle
  • Angemeldete 51 Arbeitsplätze

Das Werk wird mit lokalen Agrarrohstoffen arbeiten – genau derjenigen, in der die Region Ternopil traditionell einen Überschuss hat. Dies reduziert logistische Risiken, macht das Projekt aber abhängig von Ernteertrag und Futterpreisen.

Warum das jetzt wichtig ist

Die EU plant, den Biomethanverbrauch bis 2030 auf 35 Milliarden Kubikmeter pro Jahr zu steigern. Die Ukraine, die über vier Verbindungspunkte mit dem europäischen Fernleitungsnetz verbunden ist, hat die Möglichkeit, direkt dorthin zu liefern. Im Mai 2024 unterzeichnete Selenskyj das Gesetz Nr. 3613-IX, das die Zollabfertigung von Biomethan regelte und den legalen Exportweg öffnete.

„Der Beginn des Biomethanexports aus der Ukraine in die EU eröffnet neue Möglichkeiten für unseren Energiesektor und trägt zur Dekarbonisierung der Wirtschaft bei"

– Ministerium für Energetik der Ukraine, Februar 2025

Bislang tritt die Ukraine nur in diesen Markt ein: 2025 ist der Start zusätzlicher Kapazitäten mit einem Gesamtvolumen von 94 Millionen Kubikmeter geplant. „Sokoliv Energy" mit ihren 3,84 Millionen macht weniger als 5% des geplanten Zuwachses aus, aber genau solche mittleren Projekte auf Agrarbasis braucht die Ukraine zum Hochfahren.

Was kommt als Nächstes

Das Projekt befindet sich in der Phase der Umweltverträglichkeitsprüfung – die öffentlichen Anhörungen sind noch nicht abgeschlossen. Bis zum Baubeginn und erst recht bis zur Gaseinspeisung ins Netz – mindestens noch einige Jahre. In dieser Zeit könnte sich der Marktkontext erheblich ändern: Wenn die EU die Anforderungen an Herkunftsgarantien für Biomethan verschärft oder die Zugangsvoraussetzungen für Drittländer ändert, müssen die Rentabilität solcher Projekte neu bewertet werden.

Eine praktische Frage: Wird es „Sokoliv Energy" schaffen, die Zertifizierung zu erhalten und sich ans Fernleitungsnetz anzuschließen, bevor größere Player wie VITAGRO oder „Naftogaz Trading" die Hauptquoten für ukrainische Kapazitäten belegen?

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