Das polnische Netzwerk Pepco gab offiziell seinen Eintritt auf den ukrainischen Markt bekannt — die Ukraine wird sein 20. Präsenzland in Europa. Die ersten Geschäfte werden im letzten Quartal 2026 als Teil eines Testpiloten eröffnet, nach dem das Unternehmen über eine Skalierung entscheiden wird. Doch die Ambitionen sind bereits ausgesprochen: die Nummer eins im Massenmarkt-Segment werden.
Später Start mit großen Ansprüchen
Zum Zeitpunkt von Pepcos Markteintritt dominieren bereits andere polnische Akteure den Markt. Nach Angaben von LIGA.net hat die LPP-Gruppe (Marken Sinsay, Reserved, House, Cropp und Mohito) über 500 Geschäfte in der Ukraine. Die Modivo-Gruppe (ССС, Half Price, Worldbox) — über 30 Standorte, plant diese aber bis 2026 auf 100 zu erhöhen. Pepco betritt den Markt als Letzter — aber ohne Absicht, Dritter zu bleiben.
«Wenn unsere Konkurrenten so große Ambitionen haben, müssen wir noch größere haben».
Marcin Stanko, Betriebsdirektor von Pepco in Mittel- und Osteuropa, im Interview mit LIGA.net
Auf die Frage, ob Pepco in der Ukraine 100 Geschäfte pro Jahr eröffnen kann — wie LPP es tat — antwortete Stanko eindeutig: «Selbstverständlich». Zum Vergleich führte er Polen an, wo Pepco über 1400 Standorte hat, gegenüber ~600 bei Sinsay, und Rumänien — 530 gegenüber 250. Auf jedem Markt, auf dem Pepco präsent ist, ist es der größte Akteur. Die Ukraine sollte nach seiner Logik keine Ausnahme sein.
Warum jetzt — und was dahintersteckt
Die Entscheidung wirkt nur auf den ersten Blick paradox. Nach einer Deloitte-Ukraine-Studie gaben Ukrainer 2025 nur 5% ihres monatlichen Budgets für Kleidung und Schuhe aus — halb so viel wie gewünscht. Genau auf diese aufgestaute Nachfrage rechnen die Discounter: in Zeiten, in denen die Menschen sparen, gewinnt billiger Massenmarkt.
Die Pepco Group zeigt unterdessen starke Ergebnisse: Nach vorläufigen Daten für das Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz der Gruppe um 8,7% — auf 4,523 Milliarden Euro, der Nettogewinn — um 19,7%, auf 219 Millionen Euro. Der Konzern-CEO Stefan Borchert nannte die Ukraine einen «Markt, der potenziell eine bedeutende neue Wachstumsquelle für die Gruppe werden könnte».
Logistik unter Beschuss: Lehren der Konkurrenten
Eines der Hauptrisiken ist die Sicherheit der Infrastruktur. Russland attackiert systematisch logistische Objekte: Lager der LPP in der Ukraine wurden bereits getroffen. Pepco wählte ein anderes Modell: während der Testphase wird die Ware über grenzüberschreitende Logistik aus den größten Geschäften des Netzwerks in Ungarn, in der Nähe von Budapest, beliefert.
«Wir wissen von der Situation mit den Lagern unserer Konkurrenten und wollen ähnliche Situationen vermeiden».
Marcin Stanko, LIGA.net
Die ersten Standorte werden in großen Städten — Kiew und Lwiw — eröffnet. Geschäftsfläche: von 450 bis 700 m². Nach Angaben des CEO der Beratungsfirma Retail & Development Advisor (RDA) Andriy Lototskiy — des offiziellen Pepco-Vertreters in der Ukraine — laufen Verhandlungen mit Einkaufs- und Unterhaltungszentren bereits.
Polnisches Monopol auf dem Massenmarkt
Pepcos Eintritt vervollständigt die Bildung der polnischen Dominanz im ukrainischen Fashion-Segment. Vor der vollständigen Invasion dominierte der Markt Marken des spanischen Unternehmens Inditex (Zara, Bershka, Pull&Bear). Nach 2022 gingen die Spanier — die Polen blieben und expandierten. Jetzt werden LPP, Modivo und Pepco zusammen die hauptsächliche Wettbewerbsachse für Massenkleidung und Haushaltswaren im Land bilden.
- LPP Ukraine — über 500 Geschäfte, Marktführer ab 2026
- Modivo (ССС Group) — über 30 Geschäfte, Plan bis 100 in 2026
- Pepco — Start im Oktober 2026, 5–10 Testgeschäfte, Ziel — Nr. 1
Wenn Pepco sein Rumänien-Szenario wiederholt — wo es Sinsay in wenigen Jahren bei der Anzahl der Standorte verdoppelte — ist die Frage nicht, ob das Netzwerk Marktführer wird, sondern wie viele Jahre die LPP braucht, um das zu stoppen. Die Antwort hängt von einer Sache ab: ob die ukrainische Logistik das Tempo von 100 Geschäftsöffnungen pro Jahr unter Bedingungen aktiver Kampfhandlungen durchhält.