Was beschlossen wurde und warum das wichtig ist
Das Ministerium für Wirtschaft hat eine positive Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Bau eines Windparks auf der Polonyna Runa in der Gemeinde Turje-Remetivska im Bezirk Uschhorod erteilt. Es geht um 30 Windkraftanlagen mit jeweils bis zu 5,5 MW — insgesamt bis zu 156 MW, was rund 480.000 MWh pro Jahr ergibt und den Verbrauch von etwa 235.000 Haushalten (mehr als einer halben Million Menschen) decken würde.
Wesentliche Ergebnisse der UVP
- Das Projektgebiet gehört weder zum staatlichen Naturschutzfonds noch zum Smaragdnetz.
- Die Abstände zu Objekten des Naturschutzfonds und zu Urwäldern (80–490 m) überschreiten die Schutzabstände nicht.
- Untersuchungen belegten geringe Auswirkungen auf Vögel und Fledermäuse bei den vorgesehenen Maßnahmen und dem Monitoring.
- Das Projekt sieht keine Rodungen vor, der Zugang ist über eine bestehende Straße gesichert; der Projektträger verfügt über städtebauliche und grundstücksrechtliche Unterlagen.
Verfahrensfragen: «Salami-Taktik» und die Reaktion des Wirtschaftsministeriums
Das Ministerium wies auf die vom Investor angewandte schrittweise Umsetzung (Salami-Taktik) hin, als bereits Fundamente errichtet wurden, noch bevor der endgültige UVP-Bescheid vorlag. Obwohl es derzeit kein ausdrückliches Verbot dafür gibt, kündigte die Behörde Änderungen der Rechtsgrundlagen an, um die Nutzung dieses Verfahrens als Schlupfloch zu verhindern. Abschließend betonte das Wirtschaftsministerium: Diese Entscheidung schafft keinen automatischen Präzedenzfall für andere Flächen — jedes Projekt wird gesondert bewertet.
"Das Projekt schafft der Gemeinde neue Arbeitsplätze, wird zusätzliche Steuereinnahmen und mehr wirtschaftliche Aktivität bringen. Zudem werden hier Windkraftanlagen ukrainischer Produktion eingesetzt – und das ist ein Beleg für die Fähigkeit, in der Ukraine selbst während des Kriegs Mehrwert zu schaffen."
— Oleksij Sobolev, Minister für Wirtschaft
Kontext für das Land: Energieunabhängigkeit und Wiederaufbau
Die Entscheidung fällt vor dem Hintergrund erheblicher Verluste an Erzeugungskapazitäten: Seit Oktober 2025 wurden infolge von Raketenschlägen rund 8,5 GW an Kraftwerksleistung beschädigt. Der Ausbau erneuerbarer Energien wird als eines der Instrumente für Wiederaufbau und zur Stärkung der energetischen Resilienz betrachtet.
Nach dem nationalen Energie- und Klimaplan soll der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 mindestens 27 % erreichen (derzeit etwa 11 %). Seit Beginn des großangelegten Kriegs wurden rund 260 MW Wind- und 850 MW Solarerzeugung hinzugefügt — und das Projekt auf der Runa könnte einen spürbaren Beitrag zu diesen Zahlen in der Region leisten.
Wie es weitergeht und was zu erwarten ist
Damit die Energie von der Runa den Menschen zugutekommt, sind endgültige Genehmigungen, die Kontrolle der Einhaltung von Ökostandards und die vom Staat angekündigten regulatorischen Änderungen erforderlich. Ein erfolgreicher Start würde die Energieversorgungssicherheit in Transkarpatien vor der nächsten Heizperiode stärken und zeigen, wie schnell die ukrainische Industrie auch während des Kriegs Wertschöpfung schaffen kann.
Fazit: Die Entscheidung zur Polonyna Runa ist ein Ausgleich zwischen Energiebedarf und Umweltschutzanforderungen sowie ein Test für das verfahrensrechtliche Umfeld des Staates. Ob sie zum Modell für andere Projekte wird, hängt von der Umsetzung der ökologischen Garantien und einer zügigen Verbesserung der Spielregeln ab.