Privater Server enthüllt Netzwerk von Ölhändlern — wie mit 90 Mrd. Dollar Sanktionen gegen Rosneft umgangen wurden

Die Financial Times hat 48 Unternehmen identifiziert, die über einen einzigen privaten Mailserver miteinander verbunden sind. Wir erklären, wie technische Spuren sich in Beweise zur Verschärfung von Sanktionen verwandeln und warum das für die Ukraine wichtig ist.

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Technische Spur, die das System öffnet

Financial Times identifizierte 48 auf den ersten Blick unabhängige Unternehmen, die wahrscheinlich Teil eines Netzwerks sind, das Rosneft dabei hilft, Sanktionen zu umgehen. Das verbindende Element ist ein privater Mailserver mx.phoenixtrading.ltd, über den 442 Webdomains registriert sind und der zum Schlüssel der Untersuchung wurde.

"Financial Times identifizierte 48 auf den ersten Blick unabhängige Unternehmen, die wahrscheinlich Teil eines Netzwerks sind, das Rosneft dabei hilft, Sanktionen zu umgehen"

— Financial Times

Wer auf der Liste steht

Die Journalistinnen und Journalisten verglichen die Domains mit Zollunterlagen und fanden Übereinstimmungen. Zu den Beispielen: das in Dubai ansässige Unternehmen Foxton FZCO (Einkauf russischen Öls im Wert von 5,6 Milliarden US-Dollar) entspricht der Domain foxton-fzco.com, und Advan Alliance, die Öl nach Indien im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar lieferte, der Domain advanalliance.ltd. Die Domain TahirQarayev.com steht in Verbindung mit dem aserbaidschanischen Geschäfts­mann Tahir Qarayev und legt für die Journalisten Verbindungen zur Firma Coral Energy nahe. Auf der Liste wird auch die Domain EEOffice.com genannt, die mit Etibar Eyub in Verbindung gebracht wird – einer Person, die in der EU als enger Vertrauter der Rosneft‑Führung gilt.

Warum das für die Sanktionspolitik wichtig ist

Die FT schätzt das Volumen des über dieses Netzwerk transportierten Öls auf mindestens 90 Milliarden US-Dollar, obwohl der tatsächliche Betrag aufgrund unvollständiger Zolldaten größer sein könnte. Es geht hier nicht nur um Zahlen: Solche Netzwerke untergraben die Wirksamkeit von Sanktionen, indem sie Unternehmen erlauben, Herkunft von Ladungen und Finanzströme zu verschleiern.

Die Identifizierung durch technische Spuren – wie etwa einen gemeinsamen Mailserver oder Domains – liefert ein Werkzeug für gezielte Maßnahmen: Blockierung von Domains, Anfragen an Registrare, internationale Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden und bankseitiges Nachverfolgen von Transaktionen.

Kontext und Folgen für die Ukraine

Diese Untersuchung erscheint vor dem Hintergrund verschärfter Sanktionen: Am 13. Dezember hat die Ukraine das bisher größte Maßnahmenpaket gegen die Schattenflotte eingeführt – 656 Schiffe. Die Aufdeckung solcher Netzwerke unterstreicht, dass Sanktionen nicht nur deklarativ, sondern auch technisch funktionieren müssen: Es braucht einen schnellen Datenaustausch mit Partnern und abgestimmtes Handeln von Domain‑Registraren, Hosting‑Providern und Finanzinstituten.

"Das Vorhandensein einer technischen Spur bietet eine seltene Möglichkeit, von Verdacht zu einer Beweislage vorzudringen, die für Sanktionen und rechtliche Ermittlungen erforderlich ist"

— Financial Times (Bericht)

Was als Nächstes zu tun ist

Kurzfristig: Internationale Partner können gezielt Domains sperren, rechtliche Anfragen an Registrare stellen und die Kontrolle über Schifffahrtsrouten verstärken. Mittelfristig: Es werden neue Transparenzstandards für die Registrierung von Unternehmen und Domains sowie eine verstärkte Überwachung der mit dem Ölhandel verbundenen Finanzströme benötigt.

Fazit

Die von der FT dokumentierte technische Schwachstelle ist nicht nur eine Sensation, sondern ein praktischer Beweis dafür, dass die Sanktionsarchitektur auf der Ebene von Domains, Servern und Logistik funktionieren muss. Die Frage ist nun, ob die Partnerstaaten diese Informationen in konkrete Druckmittel und rechtliche Maßnahmen umwandeln – denn davon hängt die Wirksamkeit der Beschränkungen und unsere Fähigkeit ab, die wirtschaftlichen Wege des Aggressors zu untergraben.

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