Warum das wichtig ist
In der großen Diplomatie zählen weniger laute Erklärungen als konkrete Schritte. Das Außenministerium der Ukraine reagierte auf die jüngsten Drohungen Ungarns und der Slowakei, die Energieversorgung nach der Beschädigung der Öl-Pipeline «Дружба» einzustellen. Es geht hier nicht nur um Rhetorik — es betrifft Lieferwege, vertragliche Verpflichtungen und die Energiesicherheit der gesamten Region.
Position Kiews: Erpressung zurückgewiesen, Alternativen angeboten
Das Außenministerium bezeichnete das Vorgehen von Budapest und Bratislava als provokativ und verantwortungslos, das «die Energiesicherheit der gesamten Region gefährde», im Kontext gezielter Angriffe russischer Invasoren auf ukrainische Infrastruktur. Zugleich betonte das Ministerium die Bereitschaft, alternative Öllieferwege anzubieten, die nicht mit der Russischen Föderation verbunden sind.
"Ultimaten sollte man an den Kreml schicken, ganz bestimmt nicht nach Kiew."
— Außenministerium der Ukraine
Welche Alternativen gibt es
Diplomatische Quellen und ukrainische Regierungsvertreter nennen Optionen wie die Nutzung der Pipeline «Одеса–Броди» sowie andere logistische Lösungen für die Lieferung von Öl nach Slowakei und Ungarn. Das ist keine Sofortlösung: technische, kommerzielle und regulatorische Abstimmungen sind nötig, doch gerade solche Schritte minimieren die Abhängigkeit von Routen, die durch Kampfhandlungen beschädigt wurden.
Reaktion der Europäischen Kommission und Risiken für die Partner
Brüssel, vertreten durch die Sprecherin Anna-Kaisa Ikonen, betont öffentlich, dass man die Ukraine nicht unter Druck setze und keine Fristen für die Wiederaufnahme des Transits vorgebe. Die Europäische Kommission wies zudem darauf hin, dass Ungarn und die Slowakei derzeit keine kurzfristigen Engpässe haben — ihre Vorräte reichten schätzungsweise für rund 90 Tage.
"Wir setzen die Ukraine nicht unter Druck und geben keine Fristen für die Wiederherstellung der 'Дружба' vor."
— Anna-Kaisa Ikonen, Sprecherin der Europäischen Kommission
Fakten, die man sich merken sollte
- Am 27. Januar beschädigten die Besatzer eine Anlage im Westen der Ukraine, die mit der Öl-Pipeline «Дружба» verbunden ist.
- Am 18. Februar kündigten Ungarn und die Slowakei die Einstellung des Exports von Dieselkraftstoff in die Ukraine an; zwei Tage später stellte Budapest eine Kreditgarantie zu Vorzugsbedingungen bereit.
- Am 21. Februar drohte der slowakische Premier Robert Fico damit, die Stromlieferungen in die Ukraine zu stoppen, sollte der Transit über «Дружба» nicht bis zum 23. Februar wieder aufgenommen werden.
- Im Januar deckte Ungarn etwa 45% der ukrainischen Stromimporte.
- Der Vertrag über den Transit russischen Öls durch die Ukraine gilt bis 2030.
Wie geht es weiter
Die Ukraine verfolgt eine doppelte Strategie: Sie weist öffentlich Ultimaten zurück und treibt zugleich praktische Alternativen und Mechanismen europäischer Koordination voran, darunter den Mechanismus der frühzeitigen Warnung im Rahmen des Assoziierungsabkommens mit der EU. Das ist eine rationale Antwort auf hybride Risiken — die Kombination aus militärischem Druck Russlands und politisch-wirtschaftlichen Maßnahmen einzelner Nachbarn.
Jetzt sind die Partner am Zug: Werden sie Erklärungen in konkrete Koordination der Lieferungen und in den Schutz von Verträgen umsetzen, um Risiken für die energetische Stabilität der Region zu vermeiden?