Merz: Ich fahre mit einer einheitlichen europäischen Position nach Washington
Der deutsche Kanzler Friedrich Merz sagte in einem Interview mit deutschen Sendern (laut Reuters), dass er in die USA „mit einer abgestimmten europäischen Position“ in Sachen Zölle reisen werde. Diese Botschaft verfolgt zwei Ziele: die Koordination in der EU zu demonstrieren und zu betonen, dass die Zollpolitik Kompetenz der Union und nicht einzelner Hauptstädte ist.
"Wir werden eine sehr klare europäische Position zu dieser Frage haben, denn die Zollpolitik ist Sache der Europäischen Union und nicht der einzelnen Mitgliedstaaten, und ich werde mit einer abgestimmten europäischen Position nach Washington reisen"
— Friedrich Merz, Kanzler Deutschlands
Kontext: Gericht, neue Zölle und Zeitrahmen
Am 20. Februar erklärte der Oberste Gerichtshof der USA den Großteil der Zölle der vergangenen Administration für rechtswidrig, doch wie Reuters und Politico berichten, reagierte die Regierung mit einem neuen Schema — indem sie nach einem anderen Gesetz globale Zölle einführte. Der Handelsbeauftragte der USA Jamison Greer bestätigte, dass sektorspezifische Zollsätze weiter gelten würden, und der Präsident selbst kündigte eine Erhöhung der Zollsätze von 10% auf 15% an, die am 24. Februar in Kraft treten und 150 Tage gelten sollen.
Warum das für Europa — und für die Ukraine wichtig ist
Die Unsicherheit in Bezug auf Zölle trifft Investitionen und Lieferketten. Für die EU geht es um die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie, der Metallindustrie und von Energiekomponenten. Für die Ukraine sind solche Veränderungen doppelt relevant: erstens als Teil gemeinsamer Lieferketten (Metalle, Komponenten, Logistik), zweitens wegen der Auswirkungen auf Preise in Partnerwirtschaften sowie auf die Möglichkeiten für Wiederaufbau kritischer Infrastruktur und Verteidigungsbeschaffungen.
Europäische und amerikanische Experten warnen: anhaltende Unsicherheit untergräbt die Pläne von Investoren und verzögert die Wiederinbetriebnahme von Produktionslinien. Wie Merz gegenüber Politico bemerkte, schaden Zölle langfristig nicht nur den Exporteuren, sondern auch den Verbrauchern in dem Land, das sie erhebt.
"Die größte Vergiftung für die Volkswirtschaften Europas und der USA ist die ständige Unsicherheit in Bezug auf Zölle. Und diese Unsicherheit muss ein Ende haben"
— Friedrich Merz, Kanzler Deutschlands
Was als Nächstes passieren kann — und wie zu reagieren ist
Merz soll Anfang März den Präsidenten der USA treffen. Auf dem Tisch liegen mehrere Szenarien: eine diplomatische Einigung mit Ausnahmen für kritische Sektoren, vorübergehende Kompromisse oder eine Eskalation mit zusätzlichen Beschränkungen. Für die Ukraine ist es wichtig, dass die EU klare Garantien für Lieferketten und spezielle Kooperationsregime im Verteidigungs- und Wiederaufbaubereich durchsetzt.
Kurzfassung
Die Botschaft von Merz ist ein Signal der Einheit der EU gegenüber den USA. Die eigentliche Bewährungsprobe kommt jedoch, wenn Erklärungen in konkrete Vereinbarungen umgesetzt werden: Mechanismen zur Verringerung der Unsicherheit, Ausnahmen für kritische Lieferketten und Koordination bei Verteidigungslieferungen. Die Frage an die Partner lautet: Wird der politische Wille ausreichen, die Stabilität des Handels über kurzfristige taktische Schritte zu stellen?