Kurz und wichtig
Kiew hat vorgeschlagen, der Europäischen Union zu prüfen, ob Öl über ukrainische Infrastruktur transportiert werden kann, statt über die Ölpipeline «Дружба» zu liefern, berichtet Суспільне unter Berufung auf diplomatische Quellen. In dem Dokument, über das Європейська правда schrieb, wird auch die Route «Одеса — Броди» genannt.
"Kiew hat der EU vorgeschlagen, den Transport von Öl über die entsprechende ukrainische Infrastruktur zu prüfen."
— Суспільне, unter Berufung auf diplomatische Quellen
Position der Nachbarn: Warum der Vorschlag gerade jetzt aufkam
Die Initiative entstand vor dem Hintergrund einer Eskalation der Spannungen nach der Beschädigung einer Anlage, die mit der Pipeline «Дружба» verbunden ist, am 27. Januar. Als Reaktion darauf ergriffen Ungarn und die Slowakei Maßnahmen, die Kiew als politischen Druck wertet: am 18. Februar — Stopp des Exports von Dieselkraftstoff in die Ukraine; Ende Februar — kurzfristige Blockade eines Vorzugskredits in Höhe von 90 Mrd. Euro.
"Man kann uns nicht erpressen."
— Viktor Orbán, Ministerpräsident von Ungarn
Warum das für die Ukraine wichtig ist
Erstens hat sich die Frage des Öltransits zu einem Hebel politischer Einflussnahme entwickelt, der unmittelbar die wirtschaftliche Stabilität und den Zugang zu Finanzmitteln berührt. Im Dezember 2025 warnte Präsident Selenskyj, dass eine Verzögerung der Vorzugstranche der EU die Produktion von Drohnen beeinträchtigen könnte — für die Ausrüstung an der Front von kritischer Bedeutung.
Zweitens ist der Vorschlag aus Kiew kein bloßer politischer Gestus. Die Wiederherstellung oder Umstellung der Routen über «Одеса — Броди» erfordert Investitionen, technische Lösungen und Koordination mit europäischen Partnern. Das ist keine Sofortmaßnahme, erweitert aber die politischen und logistischen Optionen der EU für den Fall weiterer Risiken.
Schließlich spielt auch der rechtliche Rahmen eine Rolle: Der Vertrag über den Transit russischen Öls durch die Ukraine läuft bis 2030 — das verschafft Kiew gewisse Hebel, bringt aber auch Verpflichtungen mit sich.
Was die EU‑Kommission sagt und welcher Zeithorizont
"Wir üben keinen Druck auf die Ukraine aus und setzen keine Fristen für die Reparatur der Ölpipeline «Дружба»; kurzfristige Risiken für Ungarn und die Slowakei sehen wir dank ihrer 90‑tägigen Vorräte nicht."
— Ein Vertreter der Europäischen Kommission (Äußerung im Februar)
Das bedeutet: In Brüssel werden mehrere Szenarien geprüft, aber man eilt nicht zu radikalen Entscheidungen. Eine Umleitung der Ströme ist technisch möglich, erfordert jedoch Finanzierungsprogramme, Garantien und politische Solidarität.
Fazit: realistischer Ausblick
Der Vorschlag Kiews ist in zweifacher Hinsicht ein wichtiger Schritt: Er zeigt das Bestreben, die energiepolitische Verwundbarkeit zu verringern, und verwandelt Verhandlungen von einer rein reaktiven in eine vorschlagsorientierte Phase. Die praktische Umsetzung braucht jedoch Zeit, Investitionen und eine klare Positionierung der EU‑Partner. Die Schlüsselfrage lautet jetzt, ob europäische Institutionen und Staaten die Erklärungen in konkrete Maßnahmen überführen, die die Energiesicherheit der Ukraine und der Region stärken.