Am Morgen des 25. Mai fielen niederländische Erdgasterminkurse für die Lieferung im nächsten Monat – der wichtigste Maßstab für den gesamten europäischen Markt – um 4,9%. Grund: Donald Trump kündigte öffentlich die Möglichkeit an, eine Vereinbarung mit dem Iran über sein Atomprogramm zu treffen.
Der Mechanismus ist einfach. Der Iran verfügt über eines der größten Gasreservoirs der Welt, das jahrelang durch Sanktionen vom globalen Markt abgeschnitten war. Allein ein Hauch einer teilweisen Rückkehr zur internationalen Handelsordnung genügt, damit Händler ihre Positionen neu bewerten.
Für Europa ist dies ein besonders empfindliches Thema: Nach der Ablehnung von russischem Gas zahlt der Kontinent eine Prämie für Flüssigerdgas aus den USA, Katar und Norwegen. Jede reale oder auch nur wahrscheinliche Ausweitung des Angebots spiegelt sich sofort in den Notierungen wider.
Doch zwischen Trumps Aussage und tatsächlichen iranischen Gaslieferungen liegen mindestens Jahre von Verhandlungen, Überprüfungen und Infrastrukturentscheidungen. Der Markt reagierte auf das Signal, nicht auf die Tatsache.
Eine offene Frage bleibt: Falls eine Vereinbarung mit dem Iran tatsächlich zustande kommt und der Druck auf die Preise anhält – wird dies ausreichen, um Europa zu veranlassen, das Tempo beim Bau neuer LNG-Terminals zu drosseln, die derzeit als strategische Unabhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten betrachtet werden?