Am Freitag, 22. Mai, unterzeichneten auf dem EU-Mexiko-Gipfel in Mexiko-Stadt die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen, der Präsident des Europäischen Rates António Costa und die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum zwei Dokumente: das modernisierte Globalabkommen (MGA) und das vorläufige Handelsabkommen (iTA). Sie werden das Abkommen von 2000 ersetzen – das erste in der Geschichte zwischen der EU und einem lateinamerikanischen Land.
Was drin ist
Das iTA umfasst ausschließlich den Handelspart und betrifft nur die Zuständigkeit der EU – das heißt, es bedarf nicht der Ratifizierung durch jede der 27 Mitgliedstaaten separat. Es beseitigt erhebliche Zölle auf wichtige EU-Exportgüter: Lebensmittel, Maschinenbau, Pharmazeutika und Verkehrsausrüstungen. Mexiko erhält im Gegenzug offenen Zugang für Kaffee, Obst, Schokolade und Agavensirup.
Das Abkommen schützt auch 568 europäische und 26 mexikanische Herkunftsbezeichnungen – von Parmesan bis Tequila. Separate Kapitel regeln kritische Rohstoffe, digitalen Handel, öffentliche Beschaffungen und Rechte des geistigen Eigentums.
Ein wichtiger Präzedenzfall sind verbindliche Verpflichtungen bezüglich Arbeitnehmerrechte, Umweltschutz und Klimaschutzmaßnahmen mit Mechanismen für die Teilhabe der Zivilgesellschaft. Zum Vergleich: das Mercosur-Abkommen, das am 1. Mai in Kraft trat, stieß gerade wegen des Fehlens solcher Garantien auf Widerstand.
Zahlen, die die Einsätze erklären
- Handelsvolumen im Jahr 2025 – 86,8 Milliarden Euro
- Über 45.000 EU-Unternehmen exportieren nach Mexiko, die meisten sind KMU
- Prognose für das Wachstum des bilateralen Handels – 35% in fünf Jahren (Schätzung COMCE)
- Nach Unterzeichnung der Abkommen deckt die EU mit Präferenzabkommen 97% des BIP Lateinamerikas und der Karibik ab
Geopolitischer Kontext – nicht nur Rhetorik
Beide Partner befinden sich unter Druck der USA. Mexiko führt parallele Verhandlungen mit Washington über eine Überprüfung des USMCA. Die EU ist von neuen Trump-Zöllen bedroht, trotz des Handelsabkommens von 2025. Der Gipfel fand zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt statt, und dieser Umstand selbst ist aussagekräftig.
«Das ist nicht nur Handel – das ist eine geopolitische Erklärung»
Kaja Kallas, Außenpolitische Vertreterin der EU
Nach Aussage des Handelskommissars Maroš Šefčovič ist das Abkommen Teil einer breiteren Diversifizierungsstrategie: Nach Indien, Australien und Mercosur ist dies bereits der vierte große Handelspartner, mit dem die EU die Beziehungen nach Trumps Rückkehr zur Macht gefestigt hat.
Wo Unterzeichnung noch nicht Abkommen ist
Das iTA wird nach Zustimmung des Europäischen Parlaments in Kraft treten – ohne Ratifizierung durch die Mitgliedstaaten. Das vollständige MGA hingegen erfordert die Ratifizierung durch die Parlamente aller 27 Länder, was im besten Fall Jahre in Anspruch nehmen wird. Das Mercosur-Abkommen, das früher unterzeichnet wurde, ist immer noch blockiert: Europaabgeordnete haben es beim EuGH angesprochen. Es gibt einen Präzedenzfall.
Die Überwachungsmechanismen für die Einhaltung – gemeinsame Räte und spezialisierte Ausschüsse – sind im MGA-Text festgehalten. Aber solange das iTA nicht in Kraft ist und das MGA nicht ratifiziert ist, handelt es sich um ein institutionelles Gerüst ohne Inhalt.
Falls das Europäische Parlament bis Ende 2026 für das iTA stimmt, wird das Abkommen der erste echte Test dafür sein, ob die EU ihre geopolitische Rhetorik in konkrete Handelsströme umwandeln kann – in einem Moment, in dem die Regeln des Welthandels schneller umgeschrieben werden, als parlamentarische Verfahren es zulassen.