Eine 34-jährige Stellvertreterin eines Postamtsleiters in Bila Zerkwa in der Region Kiew ist Gegenstand eines Strafverfahrens: Ihr wird vorgeworfen, Rentenzahlungen von 23 Personen in Höhe von über 185.000 Hrywnja unterschlagen zu haben. Der Fall handelt nicht einfach nur von einer Person mit räuberischen Motiven. Er veranschaulicht eine systemische Anfälligkeit, die immer noch in dem Bargeldmodell der Rentenauszahlung über die Post besteht.
Wie es funktioniert: Das Schema in drei Schritten
Laut der Polizei der Region Kiew hat die Verdächtige im April 2024 „die nicht ausgezahlte Rente grundlos als Ausgabe verbucht" und die entsprechenden Einträge in den Buchhaltungsunterlagen vorgenommen. In einfachen Worten: Das Geld, das Rentner nicht abgeholt oder nicht erhalten haben, wurde als ausgezahlt markiert – und landete in der Tasche des Beamten.
„Die Verdächtige bemächtigte sich des Geldes in Höhe von über 185.000 Hrywnja, indem sie ihre amtliche Stellung missbrauchte, aus Gewinnsucht"
Polizei der Region Kiew
Der Mechanismus ist möglich, wenn ein und derselbe Mitarbeiter die Bargeldbestände verwaltet, die Buchhaltungsunterlagen führt und die Ausgabe unterzeichnet. Dies ist eine klassische Verletzung des Vier-Augen-Prinzips – einer grundlegenden Regel der Finanzkontrolle, wonach die Genehmigung und die Ausführung einer Operation von verschiedenen Personen durchgeführt werden sollten.
Ausmaß: Millionen von Auszahlungen, papierne Kontrolle
Ukrposhta liefert jedes Jahr über 120 Millionen Renten und Sozialleistungen in der ganzen Ukraine. Die Dienstleistung wird von über 2 Millionen Rentnern in Anspruch genommen – vor allem von denen, die weit entfernt von Geldautomaten oder ohne Bankkonto leben. Die Auszahlung von Rentenbargeld über den Postboten oder in der Filiale bleibt für einen großen Teil der Empfänger alternativlos.
Ukrposhta räumt ein, dass Rentenbargeld eine Dienstleistung ist, die „ausstirbt": Der Anteil solcher Auszahlungen sinkt durch den schrittweisen Übergang zu Bankkarten. Aber solange Millionen von Menschen in einem Papiersystem verbleiben, verschwindet die Anfälligkeit nicht.
Was ist mit der Verdächtigen
Gemäß dem Artikel über Unterschlagung durch einen Beamten unter Missbrauch seiner Stellung droht der Frau bis zu 8 Jahren Freiheitsentzug. Die Vorermittlungen laufen noch.
Die offene Frage bleibt: Werden die Strafverfolgungsbehörden andere Filialen mit einem ähnlichen Kontrollmodell überprüfen – oder wird der Fall Bila Zerkwa ein isolierter Vorfall bleiben, anstatt Anlass für eine Systemprüfung zu sein?