EU wirft TikTok offiziell süchtigendes Design vor – und geht gegen Meta vor

Die Europäische Kommission hat TikTok vorläufig wegen endlosen Scrollens und automatischer Wiedergabe als Verstoß gegen das Digitale-Dienste-Gesetz (DSA) eingestuft. Von der Leyen erklärte, dass Instagram und Facebook ebenfalls unter Druck stehen – weil sie ihren eigenen Mindestalter von 13 Jahren nicht einhalten.

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Урсула фон дер Ляєн (Фото: EPA)

Am 12. Mai auf einem Gipfel zu künstlicher Intelligenz und Kindern in Kopenhagen kündigte die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen nicht einfach eine Warnung an — sie beschrieb bereits eingeleitete Rechtsmechanismen. TikTok erhielt einen vorläufigen Bericht über Verstöße gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA) aufgrund von Funktionen, die die Kommission als „süchtig machende Gestaltung" bezeichnet: unendliches Scrollen, automatische Videowiedergabe und Push-Benachrichtigungen.

Was genau hat TikTok verletzt

Die Europäische Kommission leitete im Februar 2024 ein formelles Ermittlungsverfahren gegen TikTok ein. Die vorläufigen Ergebnisse zeigten: Die Plattform hat nicht angemessen bewertet, wie ihre Funktionen die körperliche und psychische Gesundheit der Nutzer beeinflussen — insbesondere von Minderjährigen. Insbesondere ignorierte TikTok Indikatoren für zwanghaftes Nutzungsverhalten, wie die Zeit, die Jugendliche nachts in der App verbringen, und die Häufigkeit, mit der sie die App öffnen.

«Durch ständiges ‚Belohnen' von Nutzern mit neuen Inhalten versetzen bestimmte Designfunktionen von TikTok das Gehirn in einen Autopilot-Modus, was zu zwanghaftem Verhalten und verminderter Selbstkontrolle führt»

— vorläufige Schlussfolgerungen der Europäischen Kommission

Dies sind nicht die ersten Probleme der Plattform mit der EU: Die Frage der Transparenz von TikTok-Werbung wurde im Dezember 2025 durch verbindliche Verpflichtungen geschlossen. Aber die «süchtig machende Gestaltung» ist die schwerwiegendste Beschwerde, die noch nicht gelöst wurde.

Meta — die Nächste

Von der Leyen nannte Meta direkt. Nach ihren Worten erfüllen Instagram und Facebook «ihr eigenes Mindestalter von 13 Jahren nicht» — das heißt, das Unternehmen hat die Regel festgelegt, aber keinen Mechanismus zu ihrer Durchsetzung bereitgestellt. Separat eröffnete die EU ein Verfahren gegen X wegen der Verwendung des KI-Tools Grok zur Generierung sexueller Bilder von Frauen und Kindern.

Darüber hinaus entwickelte die Europäische Kommission einen eigenen Prototyp für die Altersverifizierung — die sogenannte «Mini-Geldbörse», kompatibel mit zukünftigen digitalen Personalausweisen der EU. Sie ermöglicht es, zu bestätigen, dass ein Nutzer 13 oder 18 Jahre alt ist, ohne andere personenbezogene Daten zu übermitteln.

Was hinter den Zahlen steckt

Eine Studie der Dartmouth University des Wirtschaftswissenschaftlers David Blanchflower verzeichnete einen signifikanten Anstieg der Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit bei Jugendlichen in den letzten 15 Jahren — und verband dies mit Smartphones und sozialen Netzwerken. Nach Angaben von Pew Research halten 48% der amerikanischen Jugendlichen soziale Netzwerke für negativ für Menschen ihres Alters — ein Anstieg von 32% im Jahr 2022.

Von der Leyen beschrieb die Einsätze deutlich: «Schlafentzug, Depression, Angststörungen, Selbstverletzendes Verhalten, Cybermobbing, sexuelle Ausbeutung. Die Risiken nehmen schnell zu. Das ist kein Zufall — es ist das Ergebnis von Geschäftsmodellen, die die Aufmerksamkeit unserer Kinder zur Ware machen».

Was kommt als Nächstes

TikTok hat das Recht auf Schutz — die Plattform kann die Beweise prüfen und Einspruch erheben. Sollte die Kommission die vorläufigen Schlussfolgerungen bestätigen, droht dem Unternehmen eine Geldbuße von bis zu 6% des weltweiten Jahresumsatzes. Hinsichtlich des Mindestalters für die Registrierung bei sozialen Netzwerken könnte die Kommission bereits im Sommer 2025 nach den Empfehlungen einer Expertengruppe separate Rechtsvorschriften vorschlagen.

Die Frage, die das echte Gewicht dieses Regulierungsdrucks bestimmen wird: Wird das künftige Mindestalter-Gesetz einen verbindlichen technischen Verifizierungsmechanismus erhalten — oder bleibt es eine Erklärung mit der Verantwortung auf dem Gewissen der Plattformen, wie dies bereits beim 13-Jahre-Schwellenwert für Meta der Fall war.

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