Vor mehr als 15 Jahren startete Google das Chromebook – einen Laptop für die Cloud-Welt. Nun setzt das Unternehmen darauf, dass die nächste Plattform nicht mehr ein Betriebssystem, sondern ein Intelligenzsystem ist. So entstand das Googlebook.
Was sich unter der Haube geändert hat
Das Googlebook ist nicht ChromeOS mit hinzugefügtem Chatbot. Google hat Android, ChromeOS und Gemini Intelligence in eine einzige, auf Premium-Hardware ausgerichtete Plattform integriert – im Gegensatz zu Chromebooks, die jahrelang mit Budget-Geräten für Schulen assoziiert wurden. Dies ist praktisch eine Bestätigung des lange hängenden Gerüchts über die Zusammenlegung von ChromeOS und Android in ein einheitliches Betriebssystem, das in Insider-Kreisen als „Aluminium OS" bekannt ist.
Es wird keine eigenen Laptops von Google geben – das Unternehmen arbeitet sofort mit Partnern zusammen: Acer, ASUS, Lenovo, Dell und HP, die alle zuvor Chromebooks hergestellt haben. Von Googles sechs Chromebook-Partnern ist Samsung der einzige, der die Teilnahme bislang nicht bestätigt hat.
Magic Pointer: Der Cursor als Schnittstelle
Das zentrale Feature des Googlebook ist der Magic Pointer, entwickelt zusammen mit Google DeepMind. Wenn man den Cursor über etwas auf dem Bildschirm bewegt, schlägt Gemini eine Aktion vor: Wenn es beispielsweise ein Datum in einer E-Mail sieht, schlägt es automatisch vor, ein Treffen im Calendar zu erstellen. Dies ist der erste Versuch, den Mauszeiger selbst zu einem Einstiegspunkt für KI zu machen, anstatt eines separaten Buttons oder einer Schaltfläche.
„Das Googlebook ist der erste Laptop, der von Grund auf für Gemini Intelligence konzipiert wurde, um persönliche und proaktive Hilfe dort und wann sie benötigt wird, bereitzustellen"
Google, offizielle Ankündigung, Mai 2025
Was das System noch kann
- Create your Widget: Mit Gemini können benutzerdefinierte Widgets erstellt werden – beispielsweise ein einziges Panel mit Flügen, Hotels und einem Countdown bis zum Familienurlaub, das Daten aus Gmail und Calendar sammelt.
- Cast My Apps: Das Googlebook startet Anwendungen direkt vom Android-Smartphone auf dem Laptop-Bildschirm – ohne manuelles Übertragen von Dateien oder Emulation.
- Glowbar: Auf dem Deckel jedes Googlebook befindet sich eine farbige „Glowbar", eine physische Identifikation der Plattform, ein Hinweis auf das kultigen Chromebook Pixel.
Was aus dem Blickfeld verschwunden ist
Google hat weder die Chip-Plattformen noch die Modellnamen, Preise oder Startregionen bestätigt. Die Konkurrenz steht bereits in den Regalen: MacBooks von Apple und eine Welle von Windows-AI-PCs auf Snapdragon X. Das Googlebook kommt auf einen Markt, auf dem „KI im Laptop" bereits keine Neuigkeit mehr ist – die Frage ist, ob die tiefe Integration mit dem Android-Ökosystem ein echter Vorteil oder nur ein Marketing-Slogan sein wird.
Wenn die Hersteller im Herbst mit Preisen herauskommen, die mit Premium-Windows-Maschinen vergleichbar sind und nicht mit dem Chromebook-Segment – bedeutet das, dass Google auf den Unternehmensmarkt setzt, wo Microsoft noch dominiert. Wenn das Googlebook aber unter 800 Dollar kostet – wird sich die Schlacht um dieselben Studenten und Lehrer abspielen, die einst das Chromebook erobert hat.