Binance verlässt die EU – sucht aber bereits Einstieg über Frankreich

Die weltgrößte Kryptobörse verlor ihre Lizenz über Griechenland, plant aber bereits einen neuen Antrag über Paris. Millionen von Nutzern in Polen, Spanien, Italien und Frankreich erhielten Schreiben mit Anweisungen zum Abheben von Geldern.

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Фото: Depositphotos

Am 26. Juni kündigte Binance an, dass es ab dem 1. Juli die Dienstleistungen für alle Kunden aus EU-Ländern einschränkt. Der Grund: das Fehlen einer MiCA-Lizenz (Markets in Crypto-Assets). Doch die tatsächliche Chronologie der Ereignisse ist komplizierter als „wir haben es nicht geschafft".

18 Monate Verhandlungen — und der Antrag 6 Tage vor dem Stichtag zurückgezogen

Binance zog den Lizenzantrag in Griechenland selbstständig am 24. Juni zurück — eine Woche nachdem Reuters berichtet hatte, dass die Griechische Kapitalmarktkommission (HCMC) bereit war, diesen abzulehnen. Nach Angaben von Reuters überwachten Regulatoren aus Griechenland, Irland und Lettland den Antrag gemeinsam und äußerten Bedenken hinsichtlich früherer rechtlicher Probleme der Börse und ihrer Unternehmensführungsstruktur.

Binance selbst behauptet, dass es keine formale Ablehnungsentscheidung erhalten habe. „Wir haben beschlossen, den Antrag zurückzuziehen und eine Genehmigung in einem anderen EU-Land zu beantragen", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Unternehmens.

„Binance verlässt Europa nicht. Unsere Ambitionen bleiben unverändert, und wir sind zuversichtlich, dass wir die MiCA-Lizenz in den kommenden Monaten erhalten".

Gillian Lynch, Leiterin des Bereichs Europa und Großbritannien, Binance — Reuters

Wer gewinnt — während Binance mit Regulatoren kämpft

Die Konkurrenten ließen sich keine Zeit. Coinbase, Kraken und Bitstamp haben bereits MiCA-Lizenzen erhalten. Nach Angaben der ESMA sind derzeit etwa 223 Kryptodienstleister autorisiert — und alle erhalten gerade jetzt einen Wettbewerbsvorteil, während Binance außer Spiel ist.

Parallel dazu erhielten Nutzer in Polen, Spanien, Italien und Frankreich in dieser Woche E-Mails mit Anweisungen zum Abheben von Mitteln. Die Formulierung war unmissverständlich: Binance „wird bis zum 30. Juni 2026 keine MiCA-Lizenz erhalten". Abhebungen bleiben verfügbar — neue Registrierungen und Handel sind blockiert.

Der nächste Schritt — Paris

Nach Informationen der Financial Times unter Berufung auf sachkundige Quellen plant Binance, einen neuen Antrag über Frankreich einzureichen — wo ihre lokale Niederlassung bereits eine Registrierung als Anbieter digitaler Vermögenswerte von der AMF hat. Aber die Logik der MiCA ist diese: Selbst eine bestehende nationale Registrierung hilft nicht — eine vollständige Lizenz nach neuem Muster ist erforderlich. Frühere Genehmigungen in Polen, Spanien und Frankreich verloren automatisch ihre Gültigkeit ab dem 1. Juli.

Wie lange das französische Verfahren dauern wird, ist unbekannt. Binance verspricht „einige Monate". Die Regulatoren könnten nach der griechischen Erfahrung eine andere Sichtweise auf die Fristen haben.

Falls die französische AMF den Antrag genehmigt, kehrt Binance über ein einziges „Fenster" in die EU zurück und kann alle 27 Länder ohne separate Genehmigungen bedienen. Sollte aber auch dieser Antrag aufgrund von Fragen zur Unternehmensstruktur der Börse stocken, wird die Pause auf dem EU-Markt nicht in Monaten, sondern in Jahren zu zählen sein — und dann wird die Nische, die derzeit Coinbase und Kraken füllen, für sie dauerhaft und nicht vorübergehend.

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