Die Nationalbank hat die Ergebnisse einer Konjunkturumfrage unter Unternehmensführern für das erste Quartal 2026 veröffentlicht. Die durchschnittliche Geschäftserwartung liegt bei einem Dollar zu 45,00 Hrn und einem Euro zu 54,00 Hrn in zwölf Monaten. Derzeit beträgt der offizielle Kurs 43,5 Hrn/$ und 51,3 Hrn/€. Das heißt, die Geschäftswelt rechnet mit einer gemäßigten Abwertung — etwa 3,5% gegenüber dem Dollar und 5,3% gegenüber dem Euro.
Bemerkenswert ist, dass der Staatshaushalt 2026 mit einem Kurs von 45,7 Hrn/Dollar aufgestellt wurde — die Prognose der Unternehmen stimmt fast genau mit dem staatlichen Richtwert überein, aber das bedeutet nicht, dass beide richtig liegen: Sowohl der Haushalt als auch die Umfrage spiegeln Erwartungen wider, nicht Fakten.
Warum 45 und nicht 43 oder 50
Die NBU führt seit Herbst 2023 eine Politik der „gesteuerten Flexibilität" durch: Der Regulator fixiert den Kurs nicht starr, sondern glättet übermäßige Schwankungen durch Interventionen und steuert Währungen in die Wirtschaft, die hauptsächlich als internationale Hilfe eingehen. Genau diese Unterstützung bremst eine starke Abwertung.
„Ein Dollar-Hrywnja-Kurs im Bereich von 43–46 Hrywnja ist ein logischer Parameter. Der Euro-Kurs sollte im Bereich von 50 bis 54 Hrywnja liegen"
Analysten des KSE Institute, RBK-Ukraine
Analysten von Concorde Capital prognostizieren einen durchschnittlichen Dollarkurs 2026 von 43,6 Hrn und zum Jahresende 44,8 Hrn. Dragon Capital ist der Ansicht, dass wirtschaftliche Faktoren derzeit für einen relativ stabilen Kurs sprechen. Das heißt, die Geschäftserwartungen sind etwas pessimistischer als die Prognosen von Investmentfirmen — aber nicht katastrophal.
Inflation: 11% und keine Veränderung
Die erwartete Jahresinflation bleibt auf 11,1% — das Gleiche wie im vierten Quartal 2025. Zum Vergleich: Das Ziel der NBU liegt bei 5%. Die Lücke von sechs Prozentpunkten zwischen dem, was die Geschäftswelt spürt, und dem, wohin der Regulator die Preise bringen will, ist die Hauptspannung in der Geldpolitik dieses Jahres.
Für 82,7% der Befragten bleiben militärische Handlungen der wichtigste inflationstreibende Faktor. Zusätzlich hebt die Geschäftswelt steigende Produktionskosten und den Währungsfaktor hervor. Diese drei Faktoren sind miteinander verbunden: Beschuss zerstört Logistik, Logistik wird teurer, Verteuerung belastet den Kurs.
Die Stimmung hat sich verbessert — aber bedingt
Der Geschäftserwartungsindex (GEI) im ersten Quartal 2026 hat sich gegenüber Ende 2025 verbessert. Zum Vergleich: Im vierten Quartal 2025 lag er bei 102,1% gegenüber 102,5% im dritten Quartal — der Optimismus sank damals leicht. Jetzt erholt er sich, bleibt aber im Bereich „leicht über neutral".
Gleichzeitig ist nach Angaben der NBU für Januar 2026 der Index der Erwartungen der Geschäftstätigkeit (IEOT) auf 41,3 von 49,2 im Dezember gefallen — wegen Angriffen auf die Infrastruktur, Energiemangel und Fachkräftemangel. Das heißt, der Gesamt-GEI und der monatliche IEOT zeigen ein anderes Bild: Die Quartalsumfrage verzeichnet Verbesserungen, die monatliche — einen starken Rückgang zu Jahresbeginn. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Effekt unterschiedlicher Methoden und Zeitfenster.
Was bedeutet das für einen normalen Menschen
- Ersparnisse in Hrywnja können im realen Sinne um etwa 11% pro Jahr an Wert verlieren — wenn sich die Inflationsprognose bewahrheitet.
- Importwaren — Elektronik, Autos, Medikamente — werden proportional zur Abwertung teurer, also um 3–5% allein durch den Kurs.
- Hrywnja-Einlagen in Banken bringen derzeit 14–16% pro Jahr — formal decken sie sowohl Inflation als auch Abwertung ab. Aber nur unter der Bedingung, dass sich die Prognosen nicht verschlechtern.
Der Vorsitzende des Komitees der Ökonomen der Ukraine, Andrii Novak, warnt: Wenn die Abwertung zu einem stabilen Faktor für Importverteuerung wird, wird genau sie die Preise in die Höhe treiben — und dann werden sich die 11% Inflationsprognose als zu niedrig herausstellen.
Die Schlüsselbedingung, von der abhängt, ob der Dollar bis Jahresende im Bereich von 45 Hrywnja bleibt, ist: ob die regelmäßigen Mittelzuflüsse aus internationaler Finanzhilfe erhalten bleiben. Wenn die nächste Tranche um ein Quartal verzögert wird, muss die NBU entweder ihre Reserven schneller aufbrauchen oder den Kurs stärker sinken lassen, als es die Geschäftswelt kalkuliert.