Geld liebt die Stille: Pekings Entscheidung mit einer wichtigen Signalwirkung
Das chinesische Handelsministerium hat bekanntgegeben, dass die endgültigen Einfuhrzölle auf eine Reihe von Milchprodukten aus der EU deutlich niedriger ausfallen als im Dezember 2025 zunächst angekündigt. Die Sätze im Bereich von 7,4%–11,7% treten am 13. Februar in Kraft. Diese Entscheidung betrifft Frisch-, Sauermilch- und Schmelzkäse, Blauschimmelkäse sowie Milch und Sahne mit einem Fettgehalt über 10 %.
Was Peking beschlossen hat und warum
Die 2024 eingeleitete Untersuchung kam zu dem Schluss, dass die Lieferungen europäischer Milchprodukte von Subventionen begleitet wurden, die nach Auffassung der chinesischen Seite dem heimischen Sektor geschadet hätten. In der Folge hat Peking Ausgleichszölle verhängt, die für bestimmte Exporteure festgesetzt und als Prozentsatz des Zollwerts berechnet werden. Die offizielle Entscheidung erscheint als Versuch, Elemente des Marktschutzes mit der Notwendigkeit zu verbinden, notwendige Importe aufrechtzuerhalten.
Kontext für die EU: von drastischen Sätzen zu einem Kompromiss
Im Dezember lagen die in einem Entwurf vorgesehenen Zollsätze zwischen 21,9% (für einzelne italienische Lieferanten) und 42,7% (für einzelne niederländische Exporteure). Die endgültigen Sätze sind deutlich moderater — eine Erleichterung für europäische Marken, von denen einige bereits Marktanteile verloren haben: Laut Bloomberg war China im Jahr 2025 der neuntgrößte Markt für Käseexporte aus der EU — etwa 20 765 Tonnen, rund 12% weniger als im Vorjahr.
"Obwohl die endgültigen Zölle niedriger sind, bleibt der Zugang zum chinesischen Markt problematisch."
— Тейс Гейєр, Senior Economist für Lebensmittel und Landwirtschaft, ING
Was das für die Ukraine bedeutet
Die Folgen für den ukrainischen Markt sind zwiespältig. Einerseits macht die Milderung der Zölle die EU in China konkurrenzfähiger, wirkt sich aber nicht direkt auf ukrainische Exporte nach China aus — es geht um Waren aus der EU. Andererseits beeinflussen Veränderungen auf den globalen Märkten für Käse und Milch die Preise und Warenströme, was sich auch auf den heimischen ukrainischen Markt auswirkt.
Im Jahr 2025 stieg der Anteil importierter Produkte auf dem ukrainischen Markt von 38% auf 45% und wächst weiter. Gleichzeitig haben lokale Molkereien die Produktion frischer Milchprodukte ausgeweitet, obwohl die Butterproduktion defizitär blieb (Quelle: Infagro).
"Der Export europäischen Käses und Sahne nach China trifft auf einen sehr wettbewerbsintensiven Markt, auf dem Länder mit Freihandelsabkommen Vorteile haben."
— Александер Антон, Generalsekretär von Euromilk
Die Position der Ukraine: Herausforderungen und Chancen
Herausforderungen. Der wachsende Anteil von Importen bedeutet Druck auf die Preise und erfordert eine Modernisierung der Lieferketten. Die Konkurrenz durch Produkte mit verbessertem Marktzugang verlangt von ukrainischen Herstellern Fokus auf Kostenstruktur und Qualität.
Chancen. Moderate Zollsätze weltweit und eine steigende Nachfrage nach frischen Milchprodukten eröffnen Nischen — insbesondere in Segmenten, in denen ukrainische Unternehmen bessere Preise oder schnellere Logistik auf dem Binnenmarkt anbieten können. Das ist eine Chance für Exporteure und für eine Umverteilung von Marktanteilen zugunsten nationaler Produzenten, sofern es angemessene staatliche Unterstützung und Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit gibt.
Wie geht es weiter?
Die Entscheidung Chinas ist ein Ausgleich zwischen Protektionismus und dem Bedarf an Importen. Für ukrainische Verbraucher und Produzenten ist es wichtig, die Marktreaktionen zu beobachten: Wird sich das auf die Preise auswirken, beschleunigen sich logistische Anpassungen, und nimmt der Wettbewerb im Segment frischer Produkte zu? Wirtschaftliche Signale sind bereits vorhanden — nun hängt viel davon ab, wie schnell Unternehmen und Staat darauf reagieren können.
Zusammenfassung: Die Milderung der Zölle in China ist weder ein Triumph für europäische Exporteure noch eine Katastrophe für die ukrainische Branche, sondern Anlass, die Wettbewerbsfähigkeit und Reaktionsstrategien zu bewerten. Ob ukrainische Produzenten diese Atempause am Markt nutzen, ist die Frage, deren Antwort die nahe Zukunft des Sektors bestimmen wird.