Worum es geht
Das Ministerium für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft hat das Kriterium des durchschnittlichen Gehalts als eines der Kriterien für die Bestimmung von Unternehmen, die für die nationale Wirtschaft wichtig sind, wieder eingeführt. Dies ist in der Anordnung Nr. 3650 vom 22. Dezember 2025 festgehalten, die auf der Website des Ministeriums veröffentlicht wurde.
Warum das gerade jetzt wichtig ist
Die Entscheidung hat direkte Auswirkungen auf die Mobilisierungspraxis: Beschäftigte von Unternehmen mit dem entsprechenden Status können eine Befreiung von der Mobilisierung erhalten. In einer Zeit, in der der Staat zwischen Verteidigungsbedarf und dem Erhalt kritischer Infrastruktur abwägen muss, werden die Kriterien zur Bestimmung dieser Unternehmen nicht nur zu einer technischen Detailfrage, sondern zu einem Element der nationalen Sicherheit.
Welche Kriterien wieder eingeführt wurden
Laut Anordnung können Unternehmen den Status unter folgenden Bedingungen erhalten:
- für Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten — das durchschnittliche Gehalt des letzten Monats muss mindestens doppelt so hoch sein wie der Durchschnitt im Land für das vorherige Steuerjahr;
- für Unternehmen mit 20–49 Beschäftigten — die Anforderung ist strenger: das Gehalt muss mindestens Dreifaches des Durchschnitts in der Ukraine betragen.
Zugleich gibt es noch keine offiziellen Endergebnisse zum Durchschnittsgehalt für das gesamte Jahr 2025; der Staatliche Statistikdienst teilte mit, dass das Durchschnittsgehalt im Oktober 2025 bei ungefähr 26 913 грн pro Monat lag.
Erweiterung der Liste und sicherheitsbezogene Anforderungen
Die Anordnung erlaubt außerdem, Herstellern von Technik und Ausrüstung den Status zuzuweisen, deren Produkte teilweise aus dem Staatshaushalt bezuschusst werden. Gleichzeitig wurden die sicherheitsbezogenen Beschränkungen verschärft: Unternehmen werden nicht als wichtig anerkannt, wenn ihre Begünstigten Staatsangehörige oder ansässige Personen von Russland, Belarus oder Staaten aus der schwarzen Liste der FATF sind, mit Ausnahme von Personen, die rechtmäßig dauerhaft in der Ukraine ansässig sind.
"Die Wiedereinführung der Gehaltskriterien ist ein Mechanismus, der wirtschaftliche Zweckmäßigkeit mit nationaler Sicherheit verbindet: Wir streben danach, Arbeitsplätze zu erhalten und zugleich kritische Lieferketten zu schützen",
— Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft
Kontext: frühere Änderungen und Reaktion der Wirtschaft
Die Kriterien galten bereits in der Anordnung vom Dezember 2024, wurden aber im September 2025 aus der Fassung gestrichen. Die Wiedereinführung der Regeln erfolgt vor dem Hintergrund eines Schreibens der European Business Association vom 27. November 2025 mit der Bitte, die Regeln für die Neuvergabe von Befreiungen zu ändern, sowie nach Entscheidungen des Ministerkabinetts Anfang Dezember 2025 über eine 45‑tägige Befreiung und die Aufhebung von Überprüfungen für Unternehmen des Verteidigungsindustriekonzerns.
Was das für Unternehmen und Beschäftigte bedeutet
Die Kriterien werden einen Teil der Unternehmen dazu anreizen, das durchschnittliche Gehalt zu erhöhen — dies kann eine tatsächliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen bedeuten, birgt aber auch das Risiko formaler Anpassungen der Gehaltsmasse, um Vorteile zu erlangen. Für kleine und mittlere Unternehmen (20–49 Beschäftigte) stellt die Schwelle von einem dreifach höheren Gehalt im Vergleich zum Durchschnitt eine erhebliche Hürde dar.
Wegen des Fehlens eines endgültigen Werts für das Durchschnittsgehalt 2025 entsteht eine Übergangsphase der Unsicherheit: Unternehmen müssen ihre Buchhaltungs- und Personalpraktiken schnell anpassen, und der Staat muss transparente Mechanismen zur Überprüfung der Eigentümerstrukturen und Gehaltsabrechnungen gewährleisten.
Fazit — wie es weitergehen könnte
Praktisch verbindet diese Entscheidung wirtschaftliche Anreize mit einem Sicherheitsaspekt: Sie erhöht die Hürden für diejenigen, die eine Befreiung anstreben, und führt zugleich neue Anforderungen an die Transparenz der Eigentümerstruktur ein. Nun sind das Ministerkabinett und die Unternehmen am Zug: Werden diese Kriterien zu einem wirksamen Instrument zum Schutz kritischer Infrastruktur, oder werden Teile des Marktes nach juristischen und buchhalterischen Umgehungswegen suchen?