Was die Nationalbank sagte
Im Inflationsbericht der Nationalbank der Ukraine (NBU) heißt es: Der direkte Einfluss eines möglichen Zusammenbruchs der «KI‑Blase» auf den Devisenmarkt, das Bankensystem und die ukrainische Wirtschaft werde relativ gering sein, aber sekundäre Effekte könnten spürbar werden. Das ist der entscheidende Unterschied: Die ersten Schlagwellen werden an unseren Banken vorbeigehen, stattdessen könnten unsere Auslandskontakte und die Einkünfte der Bevölkerung betroffen sein.
„Ein möglicher Zusammenbruch der 'Blase' der künstlichen Intelligenz hätte einen relativ geringen direkten Einfluss auf den Devisenmarkt, das Finanzsystem und die Wirtschaft der Ukraine, aber die sekundären Effekte wären spürbarer.“
— Nationalbank der Ukraine, Inflationsbericht
Drei Haupt-Risikokanäle
1. Reduzierung der Exporte von IT‑Dienstleistungen. Der ukrainische IT‑Sektor ist von der Nachfrage internationaler Unternehmen und Start‑ups abhängig. Ein scharfer Rückgang von Investitionen oder Aufträgen für KI‑Projekte würde die Auftragssituation, den Druck auf die Hrywnja und die Beschäftigung in technischen Berufen verringern.
2. Rückgang der Geldüberweisungen. Ein Teil der ukrainischen Migrantinnen und Migranten arbeitet in technologie‑ und finanznahen Branchen. Sinkende Nachfrage in diesen Sektoren würde geringere Überweisungen bedeuten — und direkten Schaden für den Binnenkonsum sowie den Wechselkurs anrichten.
3. Erschwerung internationaler Finanzhilfe. Bei Marktturbulenzen könnten Geber und Investoren Kapital in sicherere Anlagen umschichten. Das würde die Mobilisierung von Mitteln für den Haushalt und den Wiederaufbau erschweren.
Marktkonzentration und internationales Umfeld
Die NBU weist darauf hin, dass der Kurs der Aktien der sieben größten US‑Technologieunternehmen in den Jahren 2023–2025 um 330 % gestiegen ist, während der Rest des S&P‑500‑Index nur um 50 % zulegte. Eine derartige Konzentration erhöht das Korrekturrisiko. Internationale Institutionen — IWF, US‑Federal Reserve und Bank of England — beurteilen diese Risiken derzeit als moderat, doch Analysten warnen vor möglichen Folgen für Beschäftigung und Finanzsektoren.
Morgan Stanley prognostizierte, dass europäische Banken bis 2030 etwa 10 % ihres Personals (≈ 212.000 Personen) infolge von Automatisierung und KI abbauen könnten — ein Beispiel für eine strukturelle Umgestaltung, die die Einflusskanäle auf grenzüberschreitende Einkünfte und Arbeitsplätze verstärkt.
Plus und Minus für die Ukraine
Es gibt auch einen positiven Effekt: Rückgänge bei Investitionen in KI‑Infrastruktur könnten die globalen Energiepreise senken. Das würde die Exporterlöse Russlands reduzieren und potenziell die Handelsbilanz der Ukraine verbessern, die zu einem großen Teil Energie importiert. Teile des globalen Marktrisikos könnten sich somit mit unseren geopolitischen Interessen decken.
Wie geht es weiter — kurze Prognose
Das Risiko einer «KI‑Blase» ist für die Ukraine keine direkte Katastrophe, stellt aber einen Belastungstest für die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft dar. Es ist wichtig, die Einnahmen des IT‑Sektors, Überweisungen und Hilfsströme zu überwachen. Staatliche Politik und entschlossenes Handeln der Wirtschaft — Diversifizierung der Märkte, Unterstützung bei der Umschulung von Beschäftigten und Verstärkung der Finanzaufsicht — können die sekundären Effekte abschwächen.
Frage an Partner und Gesellschaft: Werden wir dieses Risiko zu einem Impuls für die Diversifizierung exportierter Dienstleistungen und zur Stärkung des sozialen Schutzes für Beschäftigte machen, oder werden wir die Folgen abwarten? Die Antwort gestalten nicht nur Sie — auch unsere Wirtschaftspolitik trägt dazu bei.