Im Juli 2025 reichten Stripe und das private Investmentunternehmen Advent International ein gemeinsames Angebot für den Kauf von PayPal Holdings zu $60,50 pro Aktie ein — dies bewertet das Unternehmen mit über $53 Mrd. Nach Angaben von Reuters wird die Transaktion durch ungefähr $50 Mrd in bestätigter Bankfinanzierung unterstützt.
Was angeboten wird und was noch fehlt
Nach dem Plan von Stripe und Advent würden sie gleiche Anteile an PayPal erhalten — ohne Aufspaltung des Geschäfts in Teile. Das Angebot wurde Anfang Juli eingereicht, doch waren ihm erste Kontakte im April 2025 vorausgegangen. Wie Reuters unter Berufung auf zwei informierte Quellen berichtet, hat PayPal bisher nicht auf das Angebot geantwortet, und die Käufer hoffen, die Verhandlungen in den kommenden Wochen voranzutreiben. Offizielle Stellungnahmen von PayPal, Stripe und Advent liegen nicht vor.
Die Prämie zum Aktienkurs zum Zeitpunkt der Angebotsabgabe beträgt etwa 28% — erheblich, aber im Kontext des PayPal-Niedergangs sieht es anders aus: 2021 war das Unternehmen $300 Mrd wert, jetzt liegt der Wert bei ungefähr $44 Mrd, das heißt, die Aktien haben über 80% vom Höchststand verloren.
Wer kauft wen — und warum
Das Paradoxon der Transaktion liegt in der relativen Position der Parteien. Stripe, das ein privates Unternehmen bleibt, hat 2025 erstmals PayPal im Gesamtvolumen der Zahlungsabwicklung übertroffen: $1,9 Billionen gegenüber $1,79 Billionen. Gleichzeitig erreichte die neue Bewertung von Stripe nach dem Tender-Aktienverkauf für Mitarbeiter $159 Mrd — fast viermal mehr als die aktuelle Marktkapitalisierung von PayPal.
«Ein Unternehmen, das die meisten Verbraucher nie gehört haben, verarbeitet jetzt mehr Geld als die berühmteste Marke für digitale Zahlungen der Welt»
— Analysten von bobsguide zur neuen Realität des Fintech-Marktes
Für Stripe ist der Kauf keine Rettungsaktion, sondern ein strategischer Sprung: 400+ Millionen PayPal-Konten, Präsenz im Verbrauchersegment, in dem Stripe praktisch abwesend ist, und das eigene Stablecoin PYUSD. Stripe baut bereits Krypto-Infrastruktur auf — 2025 erwarb es das Stablecoin-Unternehmen Bridge für $1,1 Mrd.
Wo die Transaktion ins Stocken geraten könnte
- Kartellrechtsrisiko. Eine Fusion der beiden größten unabhängigen Verarbeitungsplattformen würde zwangsläufig die Aufmerksamkeit von Regulatoren in den USA und der EU auf sich ziehen. Die Präzedenzfälle großer Fintech-Fusionen unter kartellrechtlichem Druck in den Jahren 2024–2025 machen wenig Hoffnung: Selbst die Transaktion Global Payments — Worldpay im Wert von $24,25 Mrd durchlief eine komplexe dreigliedrige Umstrukturierung.
- Technologische Inkompatibilität. PayPal baute seine Infrastruktur über 25+ Jahre auf einem Stack auf, Stripe auf völlig anderen Prinzipien. Eine Integration in diesem Ausmaß hat keinen offensichtlichen Präzedenzfall im Fintech.
- Schweigen von PayPal. Das Ausbleiben einer Antwort könnte sowohl eine Verhandlungsposition als auch eine Verweigerung von Gesprächen bedeuten — diese Varianten sind derzeit öffentlich nicht zu unterscheiden.
Sollte PayPal sich auf Verhandlungen einlassen — wird der nächste kritische Punkt die Position der Kartellbehörden sein: Von ihr hängt ab, ob sich die größte mögliche Transaktion in der Fintech-Branche in eine echte Marktkonsolidation verwandelt oder als Signal dafür bleibt, dass die Ära von PayPal als unabhängiger Akteur zu Ende geht.