Ukrzaliznytsia wird IFC um Mittel für Eurobonds bitten: Was hinter Swiridenkos „Wunschliste" steckt

Hinter dem protokollarischen Treffen in Washington steht ein konkretes Problem: Die Ukrainischen Eisenbahnen benötigen Finanzierung zur Tilgung von Eurobonds bereits im Juli 2026, und Naftogaz benötigt den Wiederaufbau zerstörter Gasanlagen.

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Фото: пресслужба Кабміну

Premierministerin Julia Swiridenko führte in Washington ein Treffen mit dem geschäftsführenden Direktor der Internationalen Finanzgesellschaft (IFC) Makhtar Diop durch. Zusammen mit dem Regierungsteam stellte sie eine Liste von Prioritätsinvestitionsprojekten in den Bereichen Energie, Verkehr und Logistik vor. Doch hinter der diplomatischen Formulierung „Investment-Wunschliste" stecken ganz konkrete Fristen und Schulden.

Zwei Adressaten – zwei unterschiedliche Probleme

Im Fall von Naftogaz geht es um die Wiederherstellung zerstörter Gasförderungsanlagen und die Beschaffung von Ausrüstungen. Parallel dazu vereinbarte die Regierung mit der amerikanischen Exim-Bank einen Finanzierungsmechanismus für den Kauf amerikanischer Energieausrüstung in Höhe von 300 Millionen Dollar. Zum Vergleich: In dieser Heizungssaison hat Naftogaz bereits rekordverdächtige 900 Millionen Kubikmeter amerikanisches LNG importiert – das erste derartige Volumen in der Geschichte des Unternehmens.

Die Situation bei der Ukrainischen Eisenbahn ist zeitlich drängender. Nach Angaben von Swiridenko hat die IFC „mögliche finanzielle Unterstützung zur Stabilisierung der finanziellen Lage des Unternehmens, insbesondere zur Gewährleistung der Rückzahlung von Eurobonds im Juli 2026, überprüft". Über 300 Lokomotiven der UZ wurden durch russische Angriffe beschädigt oder zerstört – auch die Wiederherstellung des Rollmaterials steht auf der Anfrageliste.

„In Washington sprechen wir mit Partnern in der Sprache konkreter Projekte".

Julia Swiridenko, Telegram

IFC und Staatsunternehmen: Warum das unkonventionell ist

Die IFC ist eine Abteilung der Weltbankgruppe, deren Mandat der private Sektor ist. Die Finanzierung von Staatsunternehmen wie Naftogaz oder der Ukrainischen Eisenbahn ist für die Institution eine Ausnahme, nicht die Regel. Seit Beginn der vollumfänglichen Invasion hat die IFC etwa 2,8 Milliarden Dollar in die Unterstützung des privaten Sektors der Ukraine investiert. Die Einbeziehung von Staatsunternehmen in dieses Fenster ist ein separater Verhandlungsstrang, der unkonventionelle Garantiemechanismen erfordert.

Ein Präzedenzfall existiert bereits: Im Jahr 2025 unterzeichnete die Europäische Investitionsbank erstmals Vereinbarungen mit Naftogaz (300 Millionen Euro) und Ukrhydroenergo (120 Millionen Euro) ohne Staatsgarantien – stattdessen wurden Garantien der Europäischen Kommission verwendet. Genau dieses Modell will Kiew offensichtlich mit der IFC wiederholen.

Größerer Kontext des Besuchs

Das Treffen mit Diop ist nur eine Episode der Washingtonreise. Swiridenko führte auch Verhandlungen mit dem US-Finanzminister Scott Bessent, dem sie Kiews Position übermittelte: Sanktionen gegen Russland sollten nicht gelockert werden. Nach Aussage der Premierministerin gegenüber Reuters „unterstützt Bessent die Ukraine". Gesondert wurden die Bedingungen für einen IWF-Kredit in Höhe von 8 Milliarden Dollar erörtert – eine Mission des Fonds soll bereits im Mai nach Kiew kommen.

Swiridenko nannte auch eine Bedingung für eine Beschleunigung von Investitionen:

„Die Schlüsselbedingung für die Anziehung von Investitionen bleibt die Schattenwirtschaftsbekämpfung und die Fortsetzung von Reformen".

Julia Swiridenko

Was kommt als Nächstes

Die Frage stellt sich nicht, ob die IFC die Ukraine in Worten unterstützt – das tut sie. Die Frage ist, ob sich die Institution mit einem privaten Mandat darauf einlässt, Vereinbarungen mit Staatsunternehmen ohne Staatsgarantien auf ukrainischer Seite zu strukturieren – und ob dies bis Juli 2026 gelingt, wenn die Ukrainische Eisenbahn ihre Eurobonds zurückzahlen muss.

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