Karol Nawrocki trat vor dem Rat für nationale Sicherheit auf und forderte die Polen auf, «sich nicht von russischer Desinformation beeinflussen zu lassen» — jener Desinformation, die der Ukraine Drohnen zuschrieb, die den polnischen Luftraum verletzten. Fast gleichzeitig reichte die staatliche NASK bei Google eine Beschwerde gegen ein Video aus dem YouTube-Kanal «Dla Pieniędzy» ein: dort wurde behauptet, dass die Drohnen eine ukrainische Provokation sein könnten. Wenige Tage später ernannte Nawrocki den Autor dieses Kanals, Paweł Świnarczyk, in den gerade gegründeten Rat für neue Medien — ein Gremium zur Bekämpfung von Desinformation.
Was genau sagte Świnarczyk
Der Kanal «Dla Pieniędzy» ist keine marginale Plattform. Świnarczyk verbreitete mehrere Narrative, die mit russischen Informationsoperationen übereinstimmen: die Version über «ukrainische Drohnen», Mitteilungen über angeblich «riesige Ressourcenvorkommen» im Bereich des Suwalki-Korridors und Vorwürfe von Unterschlagungen beim Bau des Ostschildes.
Der Stab des Oberkommandos der Streitkräfte Polens nutzte Fragmente seines Materials in seinem eigenen Videoclip — als Illustration dafür, wie russische Desinformation aussieht.
Wprost, wp.pl
NASK — das polnische staatliche Cybersicherheitsinstitut — wandte sich an Google mit der Bitte, Świnarczyks Video aufgrund seines desinformierenden Charakters zu löschen, wie Wirtualne Media berichteten.
Reaktion: von Ironie bis zu «Schande»
Kritik kam nicht nur aus dem Oppositionslager. Wie OKO.press vermerkt, erschienen Stimmen des Widerstands auch vom rechten Rand der polnischen Szene. Der stellvertretende Premierminister und Minister für Digitalisierung Krzysztof Gawkowski bewertete die Ernennung kurz: Der Präsident «hat kein gutes Händchen für Menschen» und «kümmerte sich mehr darum, Leute zu sammeln, als ihre Biografien zu überprüfen». Patryk Słowik von Kanał Zero schrieb: «Das ist eine Schande — sowohl für den Präsidenten als auch für den polnischen Staat».
- Die Zusammensetzung des Rates wird wegen seiner Einseitigkeit kritisiert: fast alle Mitglieder stammen aus dem rechtskonservativen Milieu.
- Świnarczyk erwägt nach Angaben von Wirtualna Polska möglicherweise, das Amt abzulehnen, hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aber keine Entscheidung bekannt gegeben.
- Der Rat für neue Medien arbeitet beim Präsidenten, seine Kompetenzen und der Kontrollmechanismus für Entscheidungen sind öffentlich nicht definiert.
Ein im System eingebautes Paradoxon
Das Problem liegt nicht nur bei der konkreten Kandidatur. Der Rat wurde ohne transparentes Auswahlverfahren und ohne öffentlich definierte Kriterien für das, was als Desinformation gilt, gegründet — das heißt, ein Gremium mit dem Mandat, «gegen Fälschungen zu kämpfen», unterliegt selbst keinem Verifizierungsverfahren.
Sollte Świnarczyk doch im Rat bleiben, stellt sich eine konkrete Frage: Wird NASK weiterhin Beschwerden gegen Inhalte von Mitgliedern der präsidialen Beratungsstruktur einreichen können — oder wird ein stillschweigender Status sie vor denselben Instrumenten schützen, die der Staat gegen alle anderen einsetzt?