Schlüsselfakten
Nach Angaben des Auslandsnachrichtendienstes verschwanden im Jahr 2025 in Russland mindestens 266 Ortschaften. Die meisten von ihnen waren zum Zeitpunkt der „Auflösung“ faktisch entvölkert. Die meisten Fälle wurden in der Kostroma- und der Nowgoroder Oblast registriert — zusammen machten sie rund drei Viertel aller aufgelösten Siedlungen aus. Den dritten Platz belegte der Permer Krai, wo nach Geheimdienstangaben gleichzeitig sowohl Verschwindensfälle von Dörfern als auch gezielte Umsiedlungsprogramme kleiner Siedlungen in größere Zentren verzeichnet werden.
Warum das geschieht
Das offizielle Verfahren — die juristische Feststellung des Verfalls — bestätigt im Grunde genommen nur, was bereits geschehen ist: Abwanderung der Menschen, fehlende medizinische Versorgung, Schulen und Arbeitsplätze in abgelegenen Dörfern. Die demografische Ungleichheit zwischen großen Agglomerationen und der Provinz nimmt zu, und Erklärungstexte über eine „Wiederbelebung der Provinz“ in Dokumenten wie dem sogenannten „Generellen Siedlungsschema“ sind häufig nicht mit den nötigen Ressourcen untermauert.
Wirtschaftlicher und politischer Kontext
Dieser Prozess ist nicht losgelöst vom größeren Gesamtbild zu sehen: Die russische Wirtschaft steht sowohl wegen struktureller Probleme als auch wegen enormer Kriegsausgaben unter Druck. Offizielle russische Daten verzeichnen einen Rückgang der Industrieproduktion (besonders auffällig bei der Herstellung landwirtschaftlicher und industrieller Technik, etwa Traktoren). Nach Schätzungen hat der Krieg gegen die Ukraine die russischen Steuerzahler etwa rund 550 Mrd. US-Dollar gekostet — eine Summe, die mit mehreren Jahrzehnten an Haushaltsausgaben für Bildung oder Gesundheit vergleichbar ist. Das veranschaulicht eine einfache Logik: Wenn Ressourcen in militärische Zwecke gelenkt werden, wird die Infrastruktur der Provinz unterfinanziert.
"Am Ende zeigt Russland einen systemischen Verfall außerhalb weniger großer Agglomerationen: Depopulation, Aussterben von Dörfern und die wachsende Entwicklungskluft, während großspurige Programme zu papiernen Kulissen einer sich rasch leerenden Realität verkommen."
— Auslandsnachrichtendienst
Folgen für die Ukraine und die regionale Sicherheit
Für die Ukraine haben diese Daten mehrere praktische Dimensionen. Erstens bedeutet die anhaltende Degradierung des Nachbarn innere Spannungen in den Grenzregionen und ein erhöhtes Risiko sozialer und administrativer Erschütterungen, die der Kreml mit repressiven oder propagandistischen Mitteln zu lösen versuchen könnte. Zweitens schwächt die Verlagerung von Mitteln aus der zivilen Entwicklung in den militärischen Bereich die langfristige Widerstandsfähigkeit der russischen Wirtschaft — ein wichtiger Faktor für strategische Planungen mittelfristig und langfristig.
Was als Nächstes
Das ist nicht nur Statistik — es ist ein Indikator für die Prioritäten des Regimes. Der demografische Verfall der Provinz, verbunden mit hohen Militärausgaben, schafft ein Feld für neue Instabilität innerhalb Russlands. Die Ukraine sollte diese Signale in ihrer Außenpolitik und Verteidigungsplanung berücksichtigen: Informationen über den Verfall des Nachbarn helfen, dessen Fähigkeiten und potenzielle Risiken an der Grenze und darüber hinaus besser einzuschätzen.
Offen bleibt die Frage: Wie werden internationale Partner und die ukrainische Strategie diese Fakten nutzen — als Argument für die Stärkung der Resilienz der Regionen und zur Schwächung der imperialen Ambitionen des Kreml, oder als weitere Statistik in einer langen Reihe von Problemen, die sich über die Jahre des Krieges angesammelt haben?