Geschäft schützt sich selbst: Wie 27 Unternehmen Teil der Luftverteidigung wurden — und wer dafür bezahlt

Die private Luftverteidigung in der Ukraine hat die Pilotphase verlassen: Eine Gruppe zerstört bereits Drohnen, 13 weitere werden gerade aufgebaut. Doch finanziert wird dies nicht vom Staat – sondern von den Unternehmen selbst.

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Михайло Федоров (Фото: Міноборони)

Michail Fedorow kündigte die ersten Ergebnisse des experimentellen Privatluftabwehr-Projekts an: 27 Unternehmen aus den Regionen Charkiw, Odesa, Kiew, Saporischschja, Poltawa, Transkarpatien und anderen haben den Status eines bevollmächtigten Wirtschaftssubjekts erhalten. Ein Unternehmen hat bereits eine Gruppe aufgebaut und mehrere Drohnen abgeschossen – darunter „Herbst-2" und Zala. Bei 13 Unternehmen werden derzeit Gruppen gebildet.

So funktioniert es: keine Autonomie, sondern Franchise unter militärischer Kontrolle

Die Privatluftabwehr ist keine eigenständige Einheit, die in der ganzen Region Drohnen jagt. Die Gruppen operieren ausschließlich auf dem Gelände des Unternehmens und nur auf Anweisung des Luftfahrtkommandos der Luftstreitkräfte der AFU. Die Ziele werden von den Militärs festgelegt – entsprechend der vorhandenen Waffen und der gestellten Aufgaben.

Um in das Projekt aufgenommen zu werden, durchläuft das Unternehmen eine SBU-Überprüfung, stimmt mit dem Kommando die Einsatzbereiche und die Zusammensetzung der Kräfte ab und erhält dann das Recht, Luftabwehrmittel als Endverbraucher zu kaufen. Die Personalschulung erfolgt in zertifizierten Zentren mit Beteiligung von Militärfachleuten. In der Region Charkiw hat eine Privatgruppe zum ersten Mal einen reaktiven „Schahid" mit einer Geschwindigkeit von über 400 km/h abgeschossen.

Die Hauptfrage: wer zahlt

Hier ist das Modell unkonventionell. Die Grundfinanzierung stammt von den Unternehmen selbst, nicht aus dem Staatshaushalt. Nach Schätzungen der Hersteller kostet ein Mindest-Schutzkomplex 4–5 Millionen Hrywnja. Einige Waffenarten beschaffen sich die Unternehmen selbst – sie haben den Status eines Endverbrauchers erhalten.

Gleichzeitig ist nach der Änderung der Regeln im März 2026 eine Alternative entstanden: Militäreinheiten können Luftabwehrmittel und Munition an Unternehmen vorübergehend übergeben – aber nur auf Grundlage einer Einzelentscheidung des Luftfahrtkommandos für jede spezifische Anfrage. Wenn während eines Angriffs die Munition verbraucht wird, wird sie nach einem vereinfachten Verfahren aufgefüllt – auf der Grundlage eines Berichts über die tatsächlichen Ausgaben.

„Wir öffnen den Luftabwehrmarkt, schaffen Wettbewerb: Unternehmen können private Luftabwehr entwickeln und ihre eigene Infrastruktur schützen"

Michail Fedorow, Verteidigungsminister

Was das in der Praxis bedeutet

Für Unternehmen ist dies nicht nur Schutz, sondern auch eine neue Ebene der rechtlichen Verantwortung. Waffen bleiben de jure unter militärischer Kontrolle, und Verstöße gegen Lager- oder Buchungsregeln können zu strafrechtlicher Verantwortung für Beamte führen. Unternehmensanwälte bekommen neue Arbeit: interne Befehle, Änderungen von Arbeitsverträgen, Stellenanweisungen für Teilnehmer von Luftabwehrgruppen.

Das Modell wird skaliert. Im November 2025 startete das Projekt, im März 2026 erweiterte es die Befugnisse, jetzt gibt es 27 Teilnehmer statt 24 noch vor einem Monat. Fedorow nennt den nächsten Schritt: Erhöhung der Anzahl der abgefangenen Ziele und Verkürzung der Reaktionszeit.

Aber die wichtigste strukturelle Frage bleibt offen: Wenn ein Unternehmen seinen eigenen Schutz selbst finanziert, erhält es dann irgendwelche Steuervergünstigungen oder andere Anreize vom Staat – und wenn nicht, wie nachhaltig wird dieses „großes Geschäftsinteresse" nach der ersten großen Rechnung für Munition sein?

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