Am 7. Mai entdeckten griechische Fischer in einer Meereshöhle bei Kap Dokato auf der Insel Lefkada ein unbemanntes Oberflächenfahrzeug mit noch funktionierendem Motor. Nach Angaben der Greek City Times enthielt die Drohne vom Typ Magura V5 etwa 300 Kilogramm Sprengstoff und war einsatzbereit.
Der Küstenwache und Armeesprengstoffexperten gelang es, das Gerät zu entschärfen. Nach Schiffsverfolgungsdaten fuhr zu diesem Zeitpunkt ein russischer Tanker in der Nähe vorbei – was den Fund aus einer Kuriosität zu einer Frage der nationalen Sicherheit Griechenlands machte.
Verteidigungsminister: „große Entschuldigungen" und Garantien
Griechenlands Verteidigungsminister Nikos Dendias nannte den Vorfall „absolut inakzeptabel" und forderte von Kiew eine öffentliche Entschuldigung.
„Neben einer Entschuldigung muss die Ukraine absolute Garantien geben, dass sich ein solcher Vorfall in der breiteren Region nicht wiederholt"
Nikos Dendias, Verteidigungsminister Griechenlands, Konferenz „Nationaler Aktionsplan unter globaler Unsicherheit"
Athen brachte die Angelegenheit offiziell vor die Partner in NATO und EU vor und betonte: Das Mittelmeer „darf sich nicht in einen Kriegsschauplatz verwandeln".
Was über die Drohne bekannt ist – und was Kiew nicht anerkennt
Griechische Ermittler zerlegten das Gerät und führten Reverse Engineering durch, um seine Eigenschaften zu bestimmen. Die Drohne wurde zunächst als Magura V5 identifiziert. Am 12. Mai teilte jedoch der Hersteller dieser Drohnen – das Unternehmen UFORSE – der Publikation Militarnyi mit, dass das Gerät nicht ihr Produkt ist.
Eine Untersuchung von Reuters unter Berufung auf griechische Sicherheitsquellen stellte fest, dass die Drohne aufgrund eines technischen Defekts vom Kurs abkam. Ukraines Digitalminister Mychajlo Fedorow versprach, die Situation zu untersuchen – doch Kiew hat die Zugehörigkeit des Geräts offiziell nie anerkannt.
Unbequemer Kontext: dieselbe Drohne sollte in Griechenland gebaut werden
Hier nimmt die Situation eine nicht-triviale Dimension an. Im November 2025 einigten sich Griechenland und die Ukraine auf die Eröffnung einer Produktionslinie für Meeresdrohnen auf griechischen Werften. Nach Angaben des Greek Reporter stagnieren die Verhandlungen, weil die ukrainische Seite in den Vertrag einschränkende Klauseln zur taktischen Anwendung und möglichen Weitergabe von Technologien aufnahm – das heißt, sie wollte kontrollieren, gegen wen und wie Athen die gemeinsam hergestellte Waffe einsetzen würde.
- Griechenland ist eine der weltweit größten Schifffahrtsnationen und hat ein eigenes Interesse am Schutz seiner Handelsflotte im Mittelmeer.
- Ein Teil der griechischen Schiffe arbeitet mit Häfen, die die „Schattenflotte" Russlands bedienen – was Athen in eine heikle Position zwischen Verbündeten und Geschäftsinteressen bringt.
- Ein Angriff auf einen russischen Tanker in griechischen Gewässern könnte rechtliche und diplomatische Konsequenzen für Griechenland selbst haben.
Das heißt, das Land, das öffentlich Entschuldigungen für eine Kampfdrohne in seinen Gewässern fordert, führte gleichzeitig Verhandlungen über die gemeinsame Produktion derselben Drohnen – und konnte sich bisher gerade nicht auf die Grenzen ihrer Anwendung einigen.
Sollte die griechische Untersuchung offiziell den ukrainischen Ursprung des Geräts bestätigen – wird Kiew sich öffentlich entschuldigen, ohne das Faktum des Anschlags anzuerkennen, oder wird es schweigen und riskieren, die Beziehungen zu einem NATO-Mitglied zu verschärfen, von dem es Unterstützung bei der Produktion von Marinewaffen erwartet?