Budanow und Jermak führten parallele Verhandlungen mit den Amerikanern – und nur einer von ihnen wusste, was man in Washington über ihn dachte

Bloomberg enthüllt die Mechanik des Machtwechsels im Präsidentenbüro: Während Jermak den offiziellen Kommunikationskanal mit den USA kontrollierte, baute Budanow seinen eigenen auf – und berichtete Selenskyj, wie die Verbündeten den früheren Verhandlungsführer tatsächlich bewerteten.

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Кирило Буданов (Фото: Ceo Club Ukraine)

Am 4. April 2026 veröffentlichte Bloomberg einen umfangreichen Artikel über Kyrylo Budanow — den neuen Leiter des Präsidentenbüros und Chefverhandler der Ukraine. Nach Einschätzung der Agentur ist er «scharf, direkt und etwas sarkastisch» in Verhandlungen — und genau diese Eigenschaften haben ihn laut Quellen zu einer effektiveren Figur gemacht als sein Vorgänger Andrij Jermak.

Zwei Kanäle — ein Präsident

Während er noch Leiter des Hauptgeheimdienstes war, unterhielt Budanow inoffizielle Kontakte zu Trumps Sondergesandtem Keith Kellogg und dem Team von Vizepräsident JD Vance — parallel zur offiziellen Kommunikation Jermaks. Nach Angaben der «Ukrajinska Prawda» unter Berufung auf Quellen versuchte Jermak, diese Kontakte zu blockieren — sowohl direkt als auch über den Präsidenten.

Doch gerade Budanow teilte Selenskyj systematisch mit, wie die amerikanischen Partner Jermak wirklich bewerteten: Sie evaluierten seinen Verhandlungsstil und zweifelten an seiner Fähigkeit für diese Arbeit. Dieser Parallelkanal erwies sich als ausschlaggebend — nach dem Korruptionsskandal im Fall «Midas» und Durchsuchungen des Nationalamtes für Korruptionsbekämpfung im November 2025 reichte Jermak seinen Rücktritt ein.

Pragmatiker auf den Ruinen der «Siegespläne»

Das am 23. Januar 2026 gebildete Verhandlungsteam besteht fast vollständig aus «alten» Spielern — zur Jermak-Delegation kamen nur David Arachamija und der stellvertretende Leiter des Geheimdiensts Wadym Skibizkyj, die Budanow nahestehen, hinzu. The Economist verzeichnete im Februar 2026 eine Spaltung: Der Flügel Budanows setzt sich für eine schnelle Einigung unter amerikanischer Ägide ein, der Flügel Jermaks ist deutlich weniger optimistisch bezüglich Zugeständnisse.

«Sie alle verstehen, dass der Krieg enden muss. Deshalb führen sie Verhandlungen. Ich denke nicht, dass das lange dauern wird».

Kyrylo Budanow — Bloomberg, 4. April 2026

Gleichzeitig räumte Budanow ein: beide Seiten halten weiterhin an «maximalistische» Positionen fest. Den Anreiz für Russland formulierte er in pragmatischen Kategorien: «Im Gegensatz zu uns geben sie ihr eigenes Geld aus». Ein konkreter Mechanismus zur Annäherung der Positionen wurde im öffentlichen Teil des Interviews nicht genannt.

Was Moskau sagt

Quellen von Bloomberg, die dem Kreml nahestehen, bewerten die Situation anders: Es gibt kaum wirkliche Fortschritte, die Verhandlungen sind vor allem wegen der Frage der Sicherheitsgarantien für Kiew in eine Sackgasse geraten. Nach deren Aussagen ist das einzige Ergebnis der Verhandlungen dieses Jahres, dass die Seiten Positionen dargelegt haben, die füreinander inakzeptabel sind. Eine Regelung erfordert nach ihrer Meinung eine abgestimmte Position der USA und Europas — die es derzeit noch nicht gibt.

Nächster Schritt: Witkoff und Kushner in Kyjiw

Budanow kündigte gegenüber Bloomberg an, dass bald nach Ostern ein Besuch einer amerikanischen Delegation unter der Leitung von Sondervertreter Steve Witkoff und Jared Kushner in Kyjiw erwartet wird — für sie wird es der erste Besuch in der Ukraine sein. Die Delegation könnte auch Senator Lindsey Graham umfassen. Zuvor hatten Witkoff und Kushner Moskau mehrfach besucht, um mit Putin zu verhandeln.

Falls nach diesem Besuch die amerikanische Seite keine spürbare Annäherung der Positionen feststellt — bleibt die offene Frage, ob die Trump-Administration die Ukraine auf dem Friedensweg weiterhin Priorität einräumt oder sich auf bilaterale Vereinbarungen mit Moskau ohne Kyjiw am Tisch konzentriert.

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