Drohne mit Sprengstoff in Litauen abgestürzt — Radar konnte sie nicht erfassen

Eine Drohne mutmaßlich ukrainischen Ursprungs wurde auf einem Feld in der Nähe des Dorfes Samane im Bezirk Utena entdeckt. Die Schlüsselfrage ist nicht, wem sie gehört, sondern wie ein 100 Kilometer langer Flug über NATO-Territorium unbemerkt bleiben konnte.

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Поліція (Ілюстративне фото: Valda Kalnina/EPA)

Am Abend des 17. Mai erhielt das litauische Nationale Zentrum für Krisenmanagement eine Meldung über eine zerstörte Drohne auf einem Feld in der Nähe des unbewohnten Dorfes Samane im Bezirk Utena im Norden des Landes. Die Drohne enthielt Sprengstoff — es wurde beschlossen, sie vor Ort zu entschärfen.

«Das sieht nach einer ukrainischen Maschine aus»

Nach Angaben von Vilmantas Vitkauskas, dem Direktor des Nationalen Zentrums für Krisenmanagement, deuten vorläufige Einschätzungen auf militärischen Ursprung des Geräts und die Ukraine als wahrscheinliche Quelle hin. Die endgültige Schlussfolgerung wird von den Daten abhängen, die am Montag, dem 18. Mai, gesammelt werden — Ermittler setzten die Suche nach Trümmern nach einer Nachtpause fort.

«Die wichtigsten Fragen sind: Wie ist die Drohne nach Litauen gelangt, in welcher Höhe flog sie und welche Lücken gibt es in unseren Erkennungsfähigkeiten»

Vilmantas Vitkauskas, Direktor des Nationalen Zentrums für Krisenmanagement Litauens

Genau dieser Satz offenbart das Wesen des Problems: Der litauische Radar hat das Objekt im Luftraum nicht erfasst. Das heißt, die Drohne mit Sprengstoff — auch wenn sie vom Kurs abgekommen war — flog unbemerkt über ein NATO-Mitgliedsland.

Kontext: Nicht der erste und nicht der letzte Vorfall

Der Zwischenfall in Litauen reiht sich in einen breiteren Trend ein. Wie der litauische Rundfunksender LRT berichtet, häuften sich Fälle von Drohnenstürzen in den baltischen Ländern angesichts ukrainischer Anschläge auf russische Objekte in der Ostsee und auf russische Ölhäfen.

Nach Angaben der Publikation Defense News registrierte Litauen im Juli 2025 bereits zwei Zwischenfälle mit russischen Drohnen vom Typ Gerbera, die aus Weißrussland kamen — eine von ihnen trug etwa zwei Kilogramm Sprengstoff und fiel 100 Kilometer tief in NATO-Territorium auf dem Flugplatz Gaizhiunai ab.

Der Außenminister der Ukraine, Andrii Sybiha, erklärte solche Abweichungen mit Störmaßnahmen des Gegners: Russland ist in der Lage, Drohnen bereits nach dem Grenzübertritt vom Kurs abzubringen.

  • 17. Mai 2026 — Drohne mit Sprengstoff, vermutlich ukrainischen Ursprungs, stürzte im Bezirk Utena in Litauen ab; Radar erfasste sie nicht
  • 7. Mai 2026 — mehrere Drohnen flogen nach Lettland, eine stürzte auf einer Ölbasis in Rēzekne ab
  • Juli 2025 — zwei Gerbera-Drohnen aus Weißrussland verletzten den Luftraum Litauens; die zweite trug Sprengstoff

Was kommt danach

Litauen kündigte an, dass es bis 2030 ein System zur Erkennung von Luftbedrohungen ausbauen will. Derweilen ermitteln die Behörden den Flugweg und den Drohnentyp. Eine gemeinsame Ermittlung mit der ukrainischen Seite wurde bereits eingeleitet.

Falls sich bestätigt, dass die Drohne durch russische elektronische Kriegsführung abgelenkt wurde, ändert dies den Verantwortungsrahmen: nicht «die Ukraine verletzt das NATO-Territorium», sondern «Russland hat eine ukrainische Waffe gegen ein NATO-Land gelenkt» — und dann stellt sich die Frage, ob Vilnius und Brüssel bereit sind, dies öffentlich genau so zu formulieren.

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