Kiew bietet Berlin Raketen aus der Zukunft an: Vereinbarung jetzt – Lieferungen später

Die Ukraine bittet Deutschland, Dutzende Patriot-Flugabwehrsysteme aus seinen Beständen sofort zu liefern – als Vorschuss auf Raketen, die später produziert werden. Berlin prüft die Anfrage, die Verhandlungen sind vertraulich.

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Patriot (Ілюстративне фото: Ritchie B. Tongo / EPA)

Kiew wandte sich an Berlin mit einem ungewöhnlichen Angebot: sofort Dutzende Patriot-Abfangraketen aus Bundeswehr-Lagern erhalten im Austausch gegen zukünftige Lieferungen — Raketen, die erst noch hergestellt werden. Nach Angaben von Bloomberg unter Berufung auf zwei anonyme Gesprächspartner laufen die Verhandlungen im vertraulichen Modus.

Warum jetzt

Der Kontext des Abkommens ist nicht abstrakte „Stärkung der Luftverteidigung", sondern ein konkretes Defizit. Nach Schätzung von Defense Express hat Russland nur von Dezember 2025 bis Januar 2026 mindestens 61 ballistische Ziele abgefeuert, deren Abfangen theoretisch PAC-3 MSE erfordert. Der amerikanische Planungsstandard sieht zwei Abfangraketen pro Ziel vor. Ukrainische Berechnungen schossen aufgrund von Munitionsmangel oft nur eine ab.

Parallel dokumentiert das ISW, dass Ukraine während einer Serie von Angriffen Ende Juni 2025 nur eine von sieben Iskander-M/KN-23-Raketen und keine der vier „Kinschal"-Raketen abschießen konnte — ein Ergebnis, das direkt mit der Erschöpfung der Bestände korreliert.

Was bereits vorhanden ist und was fehlt

Im April 2026 unterzeichnete Raytheon mit der Ukraine einen Vertrag über 3,7 Milliarden Dollar für die Lieferung von PAC-2 GEM-T-Abfangraketen. Eine Schlüsselrolle in der Produktion soll die neue Fabrik in Schrobenhausen (Bayern) spielen, die über ein Joint Venture COMLOG — Raytheon und MBDA Deutschland — betrieben wird. Die Finanzierung übernahm das Bundesverteidigungsministerium.

«Raytheon konzentriert sich darauf, die Produktionskapazitäten zu maximieren und stabile Lieferungen von Abfangraketen für die USA und Verbündete wie die Ukraine zu gewährleisten»

— Phil Jasper, Präsident von Raytheon

Aber die Produktionskette braucht Monate, nicht Wochen. Deshalb sucht Kiew nach Lösungen aus bereits vorhandenen Beständen: Produktionskapazitäten sind vorhanden, aber das aktuelle Defizit ist hier und jetzt.

Was Kiew anbietet und was Berlin erwägt

Die Mechanik des Abkommens: Berlin übergibt Raketen aus Bundeswehr-Lagern jetzt — und erhält eine Entschädigung durch Abfangraketen aus zukünftiger Produktion. Faktisch ist dies ein Munitionskreditgeschäft mit Hypothek auf den Produktionsvertrag. Einer der Bloomberg-Gesprächspartner bestätigte, dass die Lieferungen von Abfangraketen amerikanischer Herkunft an die Ukraine dem Plan entsprechend verlaufen.

Berlin prüft die Anfrage den Quellen zufolge. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits im Juli 2025 mit Pete Hegseth über die Übergabe von zwei Patriot-Batterien verhandelt — die Frage sollte damals „schnell und leise" gelöst werden. Die aktuelle Anfrage betrifft nur Raketen, nicht Batterien.

  • Kiewer Anfrage: Dutzende Abfangraketen aus Bundeswehr-Lagern im Laufe von 2026
  • Vorgeschlagene Kompensation: Abfangraketen aus zukünftiger Produktion (Zeitrahmen nicht offengelegt)
  • Status: Berlin prüft, Entscheidung nicht verkündet
  • Paralleles Verfahren: Raytheon-Vertrag für 3,7 Mrd. Dollar — langfristig, aber nicht dringend

Der eigentliche Knoten des Problems liegt nicht darin, ob Berlin grundsätzlich zustimmt, sondern darin, wie viele Abfangraketen die Bundeswehr abgeben kann, ohne ihre eigene Luftverteidigung kritisch zu schwächen. Sollte Deutschland zustimmen und der Mechanismus des „Munitionskredits" funktionieren — er könnte zum Muster für ähnliche Anfragen an andere Verbündete mit Patriot-Beständen werden.

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