Brief nach dem Anschlag auf Sankt Petersburg: Selenskyj bot Putin einen Ausweg in dem Moment stärkster Positionen der ZSU im Jahr an

Die offene Erklärung des ukrainischen Präsidenten wurde vor dem Hintergrund asymmetrischer Anschläge und des Verhandlungsvorteilsder Kiew veröffentlicht — und genau das macht sie nach Aussage von Sybiga nicht zu einer Geste der Schwäche, sondern zu einem Angebot aus einer Position der Stärke.

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Андрій Сибіга (Фото: МЗС)

Am Abend des 4. Juni, während Sankt Petersburg noch schwarzen Rauch von ukrainischen Drohnen über dem Gelände des Petersburger Wirtschaftsforums nicht vertrieben hatte, veröffentlichte Wolodymyr Zelensky einen offenen Brief an Putin. Das Timing war kein Zufall: Nach Aussagen einer Quelle im Team des Präsidenten hatte er die Idee für den Brief genau vor dem Forum durchdacht.

Was im Brief steht

Zelensky schlug ein Treffen in einem dritten Land vor – Moskau und Kiew als Orte waren offensichtlich ausgeschlossen. Eine Bedingung: ein vollständiger Waffenstillstand als Grundlage für Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden. Im Text findet sich eine direkte Herausforderung: Putin verschiebt regelmäßig die Fristen für die Eroberung ukrainischer Regionen, insbesondere des Gebiets Donezk, und wird sie dieses Jahr auch nicht erobern. Der Brief wurde bei den Vereinten Nationen, dem Europarat und der OSZE registriert und verbreitet.

«Wenn du persönlich nicht zu dem Schluss kommst, dass es Zeit ist, diesen Krieg zu beenden, wird die Ukraine weiterhin um ihre Existenz kämpfen».

Aus Zelenskys Ansprache an Putin

Position Sibiga: keine Geste, sondern Druck

Der Leiter des Außenministeriums Andrij Sybiga wies in einem Fernsehmarathon die Interpretation des Briefes als Zugeständnis zurück. Nach seiner Aussage hat die Ukraine «die stärksten Positionen auf dem Schlachtfeld im letzten Jahr» – dank asymmetrischer Anschläge, Zerstörung russischer Luftziele und der Tapferkeit der Militärs. Genau dies, betont der Minister, macht das Dokument zu einem Hebel und nicht zu einem Flehen.

«Jetzt liegt der Ball auf der Seite der Russen, denn die Ukraine hat erneut öffentlich ihre Position gezeigt – wir sind bereit, den Krieg auf diplomatischem Wege zu beenden».

Andrij Sybiga, Außenminister der Ukraine

Sybiga wies auch darauf hin, dass der Brief in Russland analysiert wird und es für Putin «vernünftig wäre, das Angebot anzunehmen, sich nicht zu verstecken und sich zu treffen».

Reaktion: von Berlin bis zum Kreml

  • Kreml: Peskow erklärte, dass er den Brief gesehen habe, aber Putin würde «später informiert». Die traditionelle Antwort – «wenn er Verhandlungen will, soll er nach Moskau kommen» – wurde bereits in der Ansprache selbst ausgeschlossen.
  • Berlin: Der Leiter des deutschen Außenministeriums erklärte am 5. Juni, dass Putin sich an den Verhandlungstisch setzen sollte.
  • Washington: Trump nannte ein potenzielles Treffen der beiden Führungspersonen im Oval Office «wunderbar».

Taktischer Kontext

Der Brief erschien zu einem Zeitpunkt, als ukrainische Anschläge tief in Russland eindringen – insbesondere griffen Drohnen die Energie- und Militärinfrastruktur Sankt Petersburgs direkt während des Forums an und verwandelten die wirtschaftliche Fassade des Kremls in einen Hintergrund mit schwarzem Rauch. Nach Aussagen des Präsidentenberaters Dmytro Lytwyn ist der Hauptadressat Putin, aber der Brief richtet sich gleichzeitig an die USA und Partner: Jeder wird seine eigene Auslegung lesen.

Ob das öffentliche Angebot Zelenskys zu einem echten diplomatischen Prozess wird, hängt von einem ab: Ob der Kreml auf den Brief formal antwortet oder das Schweigen de facto zu einer Ablehnung wird, die Kiew als Argument in den kommenden Verhandlungen mit Partnern über verstärkte Unterstützung nutzen kann.

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