Kurz
Über Sumy wurde erneut der Einsatz einer russischen FPV-Drohne festgestellt, die laut Einschätzung des Beraters des Verteidigungsministers Serhij Beskrestnov (Flash) von der Drohne „Gerbera“ gestartet worden sein soll. Die Autor:innen des Videos behaupten, dass solche Starts täglich stattfinden, doch vollständige Bestätigungen liegen bisher nicht vor.
„Im Video ist der Moment des Starts eines FPV von der ‚Gerbera‘ zu sehen, und solche Einsätze werden täglich registriert.“
— Serhij Beskrestnov, Berater des Verteidigungsministers, Experte für militärische Radiotechnologien (Flash)
Details und Versionen
In der Chronologie der Vorfälle gibt es mehrere Schlüsselpunkte: Am 3. Februar berichtete Flash über die erste dokumentierte Nutzung der „Gerbera“ als Träger für FPV — damals konnten weder Trümmer noch die Drohne selbst gefunden werden. Zuvor, am 15. Januar, veröffentlichte Flash ein Video einer Abfangaufnahme des „Bildsignals“, angeblich von einer russischen FPV-Drohne über Sumy.
Gleichzeitig bestritt die Gruppierung „Kursk“, dass es sich um russische FPV gehandelt habe: Sie behauptete, die beobachteten Drohnen seien ukrainische Abfangdrohnen. „Kursk“ schließt die Möglichkeit nicht aus, dass FPV von Mutterdrohnen gestartet wurden, bezeichnete jedoch den klassischen Einsatz solcher Systeme von Bodenstationen über der Stadt als „äußerst unwahrscheinlich“.
„Die unbekannten Drohnen, die über Sumy beobachtet werden, sind ukrainische Abfangdrohnen und keine russischen FPV.“
— Gruppierung „Kursk“
Warum das wichtig ist
Wenn sich die Praxis bestätigt, FPV von Trägern wie der „Gerbera“ zu starten, würde das auf eine Taktikänderung hinweisen: Der Gegner versucht, beständigere, wendigere Angriffsgruppen auf Distanz zu schaffen und das Risiko für seine Bediener zu minimieren. Solche Lösungen erschweren die Entdeckung und erhöhen die Belastung für Luftabwehr- und Aufklärungssysteme.
Was das dem Feind bringt: stabilere Kanäle zur Zustellung kleiner Angriffs-UAV, größere Distanz zwischen Bediener und Ziel, höhere Chancen, lokaler Luftabwehr zu entgehen. Was es für uns bedeutet: Notwendigkeit einer schnelleren und präziseren Identifizierung von Signalen, Fokussierung auf Gegenschuss-Aufklärung und Abfanglösungen in den Anflugbereichen und nicht nur in der Luft über der Stadt.
Was als Nächstes zu erwarten ist
Die Beweislage ist bislang begrenzt: Videoaufnahmen und Abfangsignale liefern Anhaltspunkte, doch die endgültige Bestätigung von Herkunft und Startmethode ist nur nach der Analyse von Trümmern oder durch detailliertere Aufklärung möglich. Analyst:innen und Militärexpert:innen verweisen auf die Zunahme komplexer Kombinationen von Drohnensystemen in der Konfliktzone — das verändert die Prioritäten in Verteidigung und Aufklärung.
Ob sich daraus eine systematische Bedrohung für Orte entwickelt, hängt davon ab, wie schnell Aufklärung und Luftabwehr reagieren. Wichtig ist es vorerst, Fakten zu dokumentieren, Materialien zu überprüfen und Sicherheitsmaßnahmen anzupassen, statt voreilige Schlüsse zu ziehen.