NATO minus 22 Punkte, China plus 37: Wie ein Jahr Verhandlungsohnmacht die Sympathien der Ukrainer veränderte

Die Unterstützung für die NATO ist unter allen Institutionen am stärksten gesunken — um 21,9 Prozentpunkte in einem halben Jahr. Gleichzeitig hat sich die Einstellung gegenüber China mehr als verdoppelt. Dies ist keine Enttäuschung über eine Idee — dies ist die Rechnung für konkrete Maßnahmen.

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Дитина (фото: EPA/OLIVIE HOSLET)

Eine Umfrage des Razumkov-Zentrums, durchgeführt vom 2. bis 8. April 2026 im Auftrag des Kyiver Sicherheitsforums, dokumentiert die größte Umverteilung der Sympathien der Ukrainer gegenüber internationalen Akteuren der letzten Jahre. Der Gesamtvektor ist pro-westlich. Aber die Details deuten auf etwas Komplizierteres hin.

Der Niedergang der NATO — der stärkste Rückgang des Ratings

Die Bilanz der Einstellung zur Allianz (Differenz zwischen positiven und negativen Bewertungen) beträgt +39,9% — gegenüber +61,8% im September 2025. Minus 21,9 Prozentpunkte in sechs Monaten — der tiefste Rückgang unter allen Organisationen und Ländern in der Studie.

Die EU hat weniger verloren, aber immer noch erheblich: Die Bilanz sank von +79,2% auf +63,4%. Die USA — von +46,6% auf +33,4%. Das heißt, alle drei Schlüsselorientierungen des Westens sind gleichzeitig gefallen — und dies vor dem Hintergrund, dass die Unterstützung für eine NATO- und EU-Mitgliedschaft als solche im Februar 2026 noch zunahm (71% bzw. 83%, nach Angaben der vorherigen KBF-Umfrage).

Die Lücke zwischen „ich will in die NATO" und „ich mag die NATO" — das ist kein Widerspruch, sondern eine Diagnose: Die Ukrainer geben ihr Ziel nicht auf, aber sie rechnen für das Tempo ab.

China: Der Hass weicht zurück

Die unerwartetste Bewegung — nicht im Westen des Ratings, sondern im Osten. Die Bilanz der Einstellung zur VR China ist um 37,1 Prozentpunkte gestiegen — von minus 70,3% im September 2025 auf minus 33,2% im April 2026. China bleibt im Minus, aber die Abneigung ist halb so stark wie vor einem halben Jahr.

„Die Ergebnisse der Studie sind ein Überblick über den psychologischen Zustand der Ukrainer nach mehr als tausend Tagen eines vollumfänglichen Krieges — ihre Vorstellungen von sich selbst, ihrem Land, der Welt, Freunden und Feinden".

Juri Jakimenko, Präsident des Razumkov-Zentrums

Was sich hinter dieser Verschiebung verbirgt, ist schwerer zu bestimmen. Peking hat seine diplomatische Rhetorik zum „friedlichen Regelungsansatz" intensiviert, und ein Teil der Ukrainer scheint dies registriert zu haben — obwohl es keine wirkliche Änderung der chinesischen Position bezüglich der Lieferungen an Russland gab.

Wer bleibt „die Unsrigen"

An der Spitze des Länderrankings stehen Schweden, Estland und Kanada. Die skandinavischen und baltischen Staaten halten stabil die vorderen Plätze in der Gunst der Ukrainer, was mit ihrer konsequenten Haltung zu Sanktionen, Waffen und Rhetorik korreliert.

  • Estland gibt für die Verteidigung über 3% des BIP aus und ist einer der aktivsten Anwälte der Ukraine in der NATO.
  • Schweden ist nach seinem Beitritt zur Allianz im Jahr 2024 zum Symbol der „richtigen Wahl" für einen Teil der ukrainischen Gesellschaft geworden.
  • Kanada gehört zu den führenden Ländern in Bezug auf Umfang der militärischen und finanziellen Hilfe pro Kopf unter den G7-Ländern.

Dies sind nicht einfach „Sympathien" — dies ist ein Vertrauensranking, das auf konkreten Taten basiert, nicht auf deklarativer Unterstützung.

Was der gleichzeitige Niedergang aller drei Indikatoren bedeutet

Einzeln genommen, ist jeder dieser Indikatoren statistisches Rauschen. Zusammen — ein Signal: Zwischen Februar und April 2026 stagnierte der Verhandlungsprozess um die Ukraine, die amerikanische Verwaltung zeigte Inkonsistenz, und es gab keinen wirklichen Fortschritt bei der Mitgliedschaft. Die öffentliche Bewertung reagiert auf Fakten, nicht auf Rhetorik.

Wenn bis zum Herbst 2026 keine der drei Dimensionen — Mitgliedschaft, Waffen, Sicherheitsgarantien — konkrete zeitliche Rahmenbedingungen erhält, wird die nächste KBF-Umfrage keinen Ausschlag, sondern einen stabilen Abwärtstrend dokumentieren. Und dann wird die Frage nicht mehr von „Einstellung" handeln, sondern davon, ob der euroatlantische Vektor innerhalb der Ukraine ein Konsens bleibt.

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