Am 18. April kollidierte auf der Station «Brailów» in der Region Winnyzja eine Lokomotive eines privaten Steinbruchbetriebs mit dem Zug Intercity+ Nr. 740/739 auf der Strecke Kiew – Przemyśl. An Bord befanden sich 576 Passagiere — niemand wurde körperlich verletzt, aber zwei Waggons erlitten schwere Schäden, die auf Videos in sozialen Medien zu sehen sind.
Was geschah und wer trägt Verantwortung
Der Zug führte eine internationale Fahrt zum polnischen Przemyśl durch, als auf der Strecke eine Lokomotive eines fremden Unternehmens auftauchte. Ukrzaliznycja bestätigte die Kollision und entsandte sofort Ersatzrollmaterial. Die Passagiere wurden umgestiegen und setzten ihre Fahrt fort.
«Der Vorfall wird eingehend untersucht. Ein Team von Ukrzaliznycja ist zum Ort des Vorfalls gefahren, um Hilfe zu leisten und die Umstände des Zwischenfalls zu klären».
— Ukrzaliznycja, 18. April 2025
Das Schlüsselwort hier ist «privater Steinbruch». Rollmaterial von Rohstoffunternehmen darf die Eisenbahninfrastruktur auf Grundlage von Verträgen mit der UZ nutzen, aber die Verfahrensweise für die Zufahrt zu den Hauptgleisen wird vom Dispatcherdienst geregelt. Ob die Lokomotive auf diesem Streckenabschnitt autorisiert war — genau das wird derzeit untersucht.
Warum die Schäden größer sind als sie scheinen
Die Intercity+-Züge sind Elektroeinheiten HRCS2 vom Hersteller Hyundai Rotem, die vor EURO 2012 für einen Vertrag über $307 Millionen (10 Einheiten) gekauft wurden. Die Flotte ist klein und wurde kaum ergänzt. Am 28. August 2025 griff Russland gezielt das Depot in Kiew an — der Bestand HRCS2-006 brannte aus. Jetzt wird ein weiterer Zug aufgrund des Zwischenfalls in Brailów zu Reparaturzwecken aus dem Verkehr genommen.
- Die Gesamtzahl der HRCS2 in der UZ-Flotte beträgt 10 Einheiten, jede ausgelegt für 579 Passagiere.
- Nach dem Augustangriff schrumpfte die Flotte faktisch auf 9 einsatzbereite Züge.
- Der Brailóv-Zwischenfall zieht eine weitere Einheit auf unbestimmte Zeit zur Reparatur aus dem Verkehr.
Für die Strecke Kiew–Przemyśl, die einer der wichtigsten Evakuierungs- und Rückführungskorridore ist, bedeutet dies eine direkte Belastung des Fahrplans.
Fragen ohne Antworten
Ukrzaliznycja versprach eine Untersuchung, nannte aber weder das Unternehmen, dem die Lokomotive gehört, noch konkrete Termine für die Schlussfolgerungen. Präzedenzfälle zeigen: Wenn ein privater Betreiber ohne Genehmigung des Dispatcherdienstes auf das Hauptgleis fährt — das ist eine Straftat. Wenn die Genehmigung erteilt wurde — ist das ein Problem des Verkehrskontrollsystems der UZ.
Sollte die Untersuchung die Schuld des Dispatcherdienstes feststellen und nicht nur die des Lokomotivführers — wird dies eine umfassendere Diskussion eröffnen, wie sicher die gemeinsame Nutzung der Eisenbahninfrastruktur durch kommerzielle Unternehmen im Kriegszustand ist, wenn jeder Intercity-Wagen zählt.
```